08 March 2026, 10:08

Ehegattensplitting: Warum die Debatte um Familiensteuern Deutschland spaltet

Ein Plakat, das die elektrische Stadt Bergbahn, Deutschland, bewirbt, zeigt Bilder von Gebäuden, Bäumen, Hügeln und beschreibenden Text.

Unionspolitiker verteidigen das Ehesplitting - Ehegattensplitting: Warum die Debatte um Familiensteuern Deutschland spaltet

Die langjährige Steuerpolitik für Ehepaare in Deutschland, das sogenannte Ehegattensplitting, steht erneut in der politischen Diskussion. Während einige Parteien Reformen oder gar eine Abschaffung fordern, pochen andere auf die Beibehaltung des Systems. Die Frage spaltet Wirtschaftsexperten, Politiker und Familien im ganzen Land.

In den vergangenen Jahren gab es mehrere Vorschläge der großen Parteien, darunter von Grünen, FDP und SPD. Doch trotz anhaltender Debatten innerhalb der Koalitionsregierung wurden bis Anfang 2026 keine neuen Gesetze verabschiedet.

Das aktuelle Ehegattensplitting ermöglicht es verheirateten Paaren, eine gemeinsame Steuererklärung abzugeben, was oft zu einer geringeren Gesamtsteuerlast führt. Politiker der Union, insbesondere von CDU und CSU, verteidigen das Modell vehement. Klaus Holetschek, Fraktionsvorsitzender der CSU im Landtag, argumentierte, eine Abschaffung der Regelung würde zu höheren Steuern für Familien führen. Er bezeichnete das System als fair und verfassungskonform und wies Vorwürfe zurück, es handele sich dabei um eine staatliche Subvention.

Gordon Schnieder, Landesvorsitzender der CDU in Rheinland-Pfalz, unterstützte diese Position. Er lobte die Politik, weil sie Familien Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeiten gebe. Schnieder versicherte zudem, die CDU werde keine zusätzlichen finanziellen Belastungen für Ehepaare einführen.

Kritiker verweisen jedoch auf die negativen Auswirkungen des Systems auf die Gleichstellung der Geschlechter. Ökonomen sind sich weitgehend einig, dass das Ehegattensplitting Frauen davon abhält, mehr zu arbeiten, indem es große Einkommensunterschiede zwischen Partnern begünstigt. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2023 ergab, dass die Hälfte der verheirateten Frauen zwischen 45 und 66 Jahren der Meinung ist, eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit lohne sich unter den aktuellen Steuerregeln finanziell nicht. Auch die OECD hat empfohlen, die Regelung abzuschaffen, um die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern.

Innerhalb der CDU hat Familienministerin Karin Prien einen Wechsel vom Ehegattensplitting zu einem familienbasierten Modell namens Familiensplitting vorgeschlagen. Dieser Ansatz findet bei einigen Parteimitgliedern Zustimmung. Gleichzeitig haben Oppositionsparteien eigene Pläne vorgelegt: Die Grünen schlugen 2021 eine Reform vor, die ein individualisiertes Steuersystem mit Kinderzuschlägen vorsieht. Die FDP regte 2023 an, das Ehegattensplitting schrittweise durch einen "Bündnisbonus" zu ersetzen.

Trotz dieser Initiativen haben die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, FDP und Grünen von 2024 bis 2025 bisher keine gesetzlichen Änderungen hervorgebracht. Bis März 2026 war kein neues Gesetz zu diesem Thema verabschiedet worden.

Die Debatte um das Ehegattensplitting bleibt ungelöst – mit starken Argumenten auf beiden Seiten. Während die Unionsparteien das System als gerecht und notwendig für die Finanzplanung von Familien verteidigen, kritisieren Gegner seine Rolle bei der Verringerung der Frauenerwerbstätigkeit und der Verstärkung der Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern.

Da die politischen Diskussionen weiter andauern, wurden bisher keine konkreten Reformen umgesetzt. Die Zukunft der Regelung hängt davon ab, ob die Regierung in den kommenden Jahren einen Kompromiss finden kann.

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