21 April 2026, 08:03

Kiews tausendjährige Geschichte zwischen Macht, Musik und Widerstand

Offenes Buch mit einer detaillierten Illustration aus dem 16. Jahrhundert von Lwiw, Ukraine, das Gebäude, Bäume, Pflanzen, Wasser und Text zeigt.

Kiews tausendjährige Geschichte zwischen Macht, Musik und Widerstand

Kiews Geschichte reicht mehr als tausend Jahre zurück – geprägt von Wikingersiedlern und mittelalterlichen Herrschern. Lange bevor das moderne Europa Gestalt annahm, entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum von Politik und Kultur. Jüngst erhielt sie weltweite Anerkennung für ihre Widerstandsfähigkeit: Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk wurden 2023 mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet.

Ein ganz anderes kulturelles Erbe hinterließ im 19. Jahrhundert ein russischer Komponist: Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" begann als Hommage an einen verstorbenen Freund und wurde zu einem der bedeutendsten Werke der klassischen Musik.

Die Wurzeln Kiews lassen sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen, als warägerische Krieger – skandinavische Händler und Plünderer – am Ufer des Dnipro eine Siedlung gründeten. Im 11. Jahrhundert erlebte die Stadt unter Großfürst Jaroslaw dem Weisen eine Blütezeit. In seiner Regierungszeit entstanden die Sophienkathedrale und erste Schulen, die Kiew als Mittelpunkt von Bildung und Glauben festigten.

1051 reichte Jaroslaws Einfluss bis nach Westeuropa: Der französische König Heinrich I. sandte Gesandte nach Kiew, um um die Hand von Anna, einer Tochter des Großfürsten, anzuhalten. Die Heirat markierte eine der frühesten diplomatischen Verbindungen zwischen der Kiewer Rus und dem westlichen Europa.

Jahrhunderte später entstand eine andere Form des kulturellen Austauschs – durch Musik. 1874 komponierte Modest Mussorgski"Bilder einer Ausstellung" als Klaviersuite zu Ehren seines Freundes, des Künstlers Wiktor Hartmann. Die zehn Sätze spiegelten Hartmanns Aquarelle und Skizzen wider, die auf Reisen durch Polen, Italien und Frankreich entstanden waren. Mussorgski jedoch hinterließ das Werk unvollendet und kämpfte mit Alkoholismus, eine Sucht, die während seiner Zeit an einer Petersburger Militärakademie begonnen hatte.

Nach seinem Tod überarbeiteten andere Komponisten das Stück. Maurice Ravels Orchestrierung von 1922 wurde zur berühmtesten Fassung – sie verwandelte Mussorgskis rohe Klavermusik in ein farbenfrohes sinfonisches Erlebnis.

Die Mitte des 20. Jahrhunderts brachte eine neue Art der europäischen Zusammenarbeit: Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der Marshallplan den Kontinent durch wirtschaftliche Hilfe und Sicherheitspartnerschaften wiederaufbauen. Die Regierung unter Harry S. Truman lud auch die Sowjetunion zur Teilnahme ein, doch Josef Stalin lehnte ab – und vertiefte so die Spaltung, die den Kalten Krieg prägen würde.

Kiews Erbe als Brücke zwischen Ost und West lebt weiter, wie die Verleihung des Karlspreises 2023 für die Verteidigung demokratischer Werte zeigt. Gleichzeitig bleibt Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" ein Zeugnis künstlerischer Freundschaft und Anpassungsfähigkeit, dessen Überleben späterer Komponisten zu verdanken ist. Beide Geschichten spiegeln Europas lange Tradition des kulturellen Austauschs wider – sei es durch Heirat, Musik oder gegenseitige Unterstützung.

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