Nahost-Krise gefährdet Europas Arzneimittelversorgung – BPI schlägt Alarm
Lara WagnerNahost-Krise gefährdet Europas Arzneimittelversorgung – BPI schlägt Alarm
Europas Arzneimittelversorgung durch Spannungen im Nahen Osten bedroht
Die Arzneimittelversorgung in Europa gerät durch die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten unter Druck. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt, dass militärische Eskalationen wichtige Schifffahrtsrouten stören könnten, was zu höheren Kosten und Lieferverzögerungen führen würde. Als Reaktion hat der BPI einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, um Lieferketten zu stärken und die Abhängigkeit von asiatischen Importen zu verringern.
Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt, ist seit Ende Februar 2026 schwer beeinträchtigt. Nach US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran stoppten iranische Kräfte ihre eigene Schifffahrt und gaben Durchfahrtswarnungen heraus. Tanker pausieren oder wechseln ihre Routen, was den globalen Öl- und Flüssiggas( LNG)-Transport verlangsamt – immerhin passieren 20 Prozent des weltweiten Öls und ein Fünftel des LNG-Handels diese kritische Engstelle. Zwar gibt es keine offizielle Blockade, doch die Verzögerungen haben die Versicherungskosten in die Höhe getrieben und machen einige Asia-Europa-Routen unwirtschaftlich.
Reedereien stufen den Seeweg zwischen Asien und Europa mittlerweile als Hochrisikogebiet ein; manche meiden ihn ganz. Die alternative Route um das Kap der Guten Hoffnung verlängert die Transportzeit um zehn bis vierzehn Tage und verursacht deutlich höhere Kosten. Die begrenzte Pipeline-Kapazität Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (maximal 2,6 Millionen Barrel pro Tag) bietet kaum Entlastung – mit der Folge steigender Ölpreise, Inflation und wirtschaftlicher Belastungen, darunter ein Wachstumsrückgang von 0,1 Prozent in Österreich.
Europas pharmazeutische Lieferkette ist stark von Asien abhängig, insbesondere von China. Die Sicherheitsstrategie des BPI zielt darauf ab, dieses Risiko zu verringern, indem die europäische Produktion ausgeweitet und Partnerschaften gestärkt werden. Der Plan umfasst Krisenmanagementverfahren, öffentlich-private Kooperationen sowie Marktanreize im Rahmen des Gesundheitsversorgungs-Sicherstellungsgesetzes (GeSiG). Ziel ist es, sicherzustellen, dass das Gesundheitssystem auch innerhalb des europäischen Sicherheitsrahmens eigenständig funktionieren kann.
Die Vorschläge des BPI sollen die Arzneimittelversorgung widerstandsfähiger machen, indem die Abhängigkeit von asiatischen Importen reduziert wird. Bei Umsetzung könnten die Maßnahmen helfen, Europas Zugang zu Medikamenten auch in globalen Krisenzeiten zu stabilisieren. Zudem verknüpft der Plan Industrie- und Gesundheitspolitik und betrachtet die Arzneimittelproduktion als zentralen Bestandteil der nationalen Sicherheit.