Wie das WM-Fieber 2006 rechtspopulistische Strömungen in Deutschland stärkte
Lara WagnerWie das WM-Fieber 2006 rechtspopulistische Strömungen in Deutschland stärkte
Eine Arte-Dokumentation untersucht den Zusammenhang zwischen Fußballpatriotismus und dem Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen in Deutschland. Der Regisseur Juri Sternburg argumentiert, dass das „Sommermärchen“ der WM 2006 indirekt Gruppen wie Pegida und die AfD befördert haben könnte. Der Film analysiert, wie nationaler Stolz – oft im Alltag unterdrückt – während großer Turniere wieder an die Oberfläche tritt.
Alle vier Jahre löst die Fußball-Weltmeisterschaft eine Welle des Patriotismus in Deutschland aus. Supermärkte wie Lidl und Aldi füllen ihre Regale mit Flaggen, Schals und anderem Fanartikel. Viele Bürger:innen, die sonst zurückhaltend mit nationalen Symbolen umgehen, geben sich dem Moment hin – manche schmücken sogar ihre Autos in den deutschen Farben.
Doch außerhalb solcher Ereignisse bleiben öffentliche Bekundungen von Nationalstolz selten. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mied bewusst Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. 2013 nahm sie einem Parteikollegen während einer Wahlfeier sogar eine deutsche Flagge ab.
Sternburgs Dokumentation deutet die kollektive Euphorie von 2006 als eine Form des „positiven Party-Patriotismus“. Er warnt jedoch, dass dies nationalistische Stimmungen normalisieren und rechtsextremen Bewegungen den Weg ebnen könnte.
Der Film zeigt einen Widerspruch in der deutschen Gesellschaft auf: Während Fußballturniere den Nationalstolz hochkochen lassen, wird er ansonsten mit Skepsis behandelt. Sternburgs Arbeit legt nahe, dass selbst feiernder Patriotismus langfristige politische Folgen haben kann.






