20 Milliarden für Schulen: Wie Deutschland Bildungsungleichheit bekämpfen will
Emma Günther20 Milliarden für Schulen: Wie Deutschland Bildungsungleichheit bekämpfen will
Deutschland hat ein 20-Milliarden-Euro-Programm gestartet, um Schulen in benachteiligten Gebieten in den nächsten zehn Jahren zu verbessern. Der Schritt folgt auf jahrelange Kämpfe gegen Bildungsungleichheit, die durch Krisen wie die an der Berliner Rütli-Schule besonders deutlich wurden. Das neue Programm zielt darauf ab, die Unterstützung für Schulen mit ähnlichen Herausforderungen bundesweit auszubauen.
Die Probleme an der Rütli-Schule rückten erstmals 2006 in den Fokus der Öffentlichkeit. Lehrkräfte veröffentlichten einen offenen Brief, in dem sie extremes Verhalten schilderten – darunter Gewalt gegen Sachen wie eingetretene Türen, gezündete Böller und von den Wänden gerissene Bilderrahmen. Sie warnten, die Schule habe eine "Sackgasse" erreicht, da Aggression und Respektlosigkeit den Unterricht nahezu unmöglich machten.
Die Schwierigkeiten der Schule spiegelten größere Probleme im deutschen Bildungssystem wider. Die PISA-Studie von 2000 hatte bereits die schwachen Leistungen benachteiligter Schülerinnen und Schüler aufgedeckt, insbesondere jener mit nicht-deutschsprachigem Hintergrund. Die Rütli-Schule entwickelte sich später zu einem Vorbild für Reformen, nachdem sie 2009 mit benachbarten Schulen zur gemeinsamen Gemeinschaftsschule fusionierte, die auch das Abitur anbietet.
Trotz solcher Erfolge bleiben Herausforderungen bestehen. Ein anhaltender Lehrkräftemangel führt weiterhin zu Unterrichtsausfällen, da viele Stunden wegen Personalmangels gestrichen werden müssen. Zudem gefährden Sparmaßnahmen in Hessen die Finanzierung von Gemeinschaftsschulen und Sozialindex-Programmen. Die neue bundesweite Initiative will dem entgegenwirken, indem sie mehr Schulen nach dem Rütli-Modell schafft, das Personal aufstockt und Ganztagsschulen ausbaut.
Das 20-Milliarden-Euro-Programm wird über zehn Jahre hinweg 4.000 Schulen fördern. Im Mittelpunkt stehen die Erweiterung des Personals und die Modernisierung der Einrichtungen, um langjährige Ungleichheiten zu bekämpfen. Allerdings könnten Haushaltskürzungen in einigen Bundesländern die Fortschritte in ohnehin belasteten Schulen zunichtemachen.






