Apothekerin akzeptiert Konkurrenz-Gutscheine – ein ungewöhnlicher Kundenservice in Bayern
Marie SchneiderApothekerin akzeptiert Konkurrenz-Gutscheine – ein ungewöhnlicher Kundenservice in Bayern
Claudia Bauer, Inhaberin einer Apotheke in Steinbach am Wald, geht einen kundennahen Weg: Sie akzeptiert Rabattgutscheine von Konkurrenzapotheken**. Mit dieser Maßnahme möchte sie verhindern, dass Einheimische wegen kleiner Ersparnisse woanders einkaufen. Die Praxis, auch als 'Gutschein-Abwerben' bekannt, ist zwar rechtlich zulässig, in der Branche aber nach wie vor selten.
Bauer führt ihre Apotheke seit 25 Jahren und sucht derzeit nach neuem Personal, um ihr Team zu verstärken. Ihr Betrieb ist ein Aushängeschild im ruhigen bayerischen Städtchen, das für seine malerischen Wanderwege und die idyllische Atmosphäre bekannt ist.
Die rechtliche Grundlage für die Annahme von Konkurrenten-Gutscheinen schuf 2016 der Bundesgerichtshof (BGH), Deutschlands höchstes Zivilgericht. Im Urteil (Aktenzeichen I ZR 169/14) entschied das Gericht, dass Apotheken Rabatte von Mitbewerbern unter bestimmten Bedingungen ablehnen dürfen – ein generelles Verbot der Praxis sprach es jedoch nicht aus. Seither gab es keine weiteren richtungsweisenden Urteile oder Gesetzesänderungen, sodass Unternehmen wie das von Bauer Spielraum für flexible Lösungen behalten.
Bauer gewährt moderate Rabatte von etwa 20 Prozent und positioniert sich damit im Mittelfeld im Vergleich zu anderen Apotheken. Tiefe Preissenkungen lehnt sie ab und warnt davor, dass übertriebene Aktionen bei Kunden den falschen Eindruck erwecken könnten, Apotheken verfügten über üppige finanzielle Spielräume. Oft beziehen sich hohe Prozentsätze nur auf günstige Artikel – die tatsächliche Ersparnis fällt dann trotz reißerischer Werbung minimal aus.
Statt auf aggressive Rabattschlachten setzt Bauer auf kleine Aufmerksamkeiten, um die Kundenbindung zu stärken. Sie ermutigt Kundinnen und Kunden etwa, nach kostenlosen Kleinigkeiten wie Taschentuchpackungen zu fragen, um ihnen eine Freude zu machen. Ihr Ansatz verbindet Bezahlbarkeit mit Nachhaltigkeit und sichert so die Zukunftsfähigkeit der Apotheke, ohne die Gemeinschaft aus den Augen zu verlieren.
Steinbach am Wald, der einzige bayerische Ort, durch den der berühmte Rennsteig-Wanderweg führt, bietet eine traumhafte Kulisse für ihr Geschäft. Eingebettet in die Nähe des Grünen Bandes, zieht die Region Menschen an, die ein ruhiges Leben inmitten der Natur suchen. Bauers Apotheke hat sich längst als fester Bestandteil des Ortsbildes etabliert – mit professionellem Service und persönlicher Note.
Ihre Entscheidung, Gutscheine der Konkurrenz anzuerkennen, unterstreicht ihr Engagement für Kundenfreundlichkeit und lokale Verbundenheit. Die Praxis bewegt sich im rechtlichen Rahmen und hebt sie zugleich von anderen Anbietern ab. Parallel dazu läuft die Suche nach neuen Mitarbeitenden weiter, um den guten Ruf der Apotheke als vertrauenswürdiges Nahversorger-Unternehmen zu bewahren.