Deutsche Nationalbibliothek verliert Neubau – Platznot zwingt zu radikalen Lösungen
Marie SchneiderKein Erweiterungsbau für die Deutsche Nationalbibliothek - Deutsche Nationalbibliothek verliert Neubau – Platznot zwingt zu radikalen Lösungen
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig wird ihren geplanten Neubau nicht mehr erhalten. Kulturminister Wolfram Weimer hat das Projekt gestoppt – trotz des dringenden Platzbedarfs der Bibliothek. Da die Lagerkapazitäten in Leipzig bald erschöpft sind, haben die Verantwortlichen bereits begonnen, Bestände an einen zweiten Standort in Frankfurt auszulagern.
Die Bibliothek archiviert derzeit alle deutschsprachigen Publikationen und nimmt täglich rund 13.100 neue Werke in ihren Bestand auf. Nach geltendem Recht müssen Verlage von jedem Titel zwei physische Exemplare abliefern, was die Kapazitäten des Leipziger Standorts an die Grenzen bringt. Der nun gestrichene Neubau sollte langfristig zusätzliche Lagerfläche für Bücher und Medien schaffen.
Die Planung für das Gebäude hatte bereits etwa sieben Millionen Euro gekostet. Die Bibliothek kritisierte die Entscheidung scharf und warnte, dass der Platzmangel weiterhin akut bleibe. Unterdessen schlug Weimer vor, die Abgabepflicht auf ein Exemplar – möglichst in digitaler Form – zu reduzieren. Bisher wurden jedoch keine Änderungen an den bestehenden Regelungen vorgenommen.
Seit dem Beschluss gab es keine Aktualisierungen zur digitalen Abgabepflicht. Die Bibliothek bestätigte zudem, dass es vor 2025 keine konkreten Umsetzungspläne gibt.
Mit dem gestrichenen Ausbau ist die Bibliothek nun gezwungen, sich auf den Frankfurter Standort zu stützen, um die Lagerengpässe in Leipzig zu entlasten. Ein Umstieg auf digitale Abgaben könnte langfristig den Bedarf an physischen Kapazitäten verringern. Bis dahin muss die Einrichtung jedoch weiterhin Tausende täglicher Neuzugänge nach dem bisherigen System bewältigen.