Deutschland lockt mit neuen Modellen internationale Studierende und Fachkräfte an
Marie SchneiderDeutschland lockt mit neuen Modellen internationale Studierende und Fachkräfte an
Deutschland erwägt neue Maßnahmen, um internationale Studierende anzuziehen, während die Wirtschaft des Landes vor langfristigen Herausforderungen steht. Angesichts einer erwarteten Stagnation in den kommenden zehn Jahren sehen Politiker in ausländischen Fachkräften einen Weg, das Wachstum anzukurbeln. Doch die Pläne lösen Debatten über Studiengebühren und die Frage aus, ob Absolventen nach ihrem Studium im Land bleiben werden.
Die meisten europäischen Länder erheben bereits zusätzliche Gebühren für internationale Studierende, wobei viele die Preise auf über 500 Euro pro Semester festsetzen. In Deutschland geht Baden-Württemberg voran und verlangt von Studierenden aus Drittstaaten 1.500 Euro pro Semester. Ein Fünftel dieser Einnahmen fließt in Stipendien und Dienstleistungen für dieselbe Gruppe zurück.
Sachsen schlägt nun ein ähnliches Modell vor – mit einer Besonderheit: Studierende würden 1.500 Euro pro Semester zahlen, könnten das Geld jedoch zurückerhalten, wenn sie nach ihrem Abschluss fünf Jahre lang in der Region arbeiten. Das Ziel ist es, qualifizierte Arbeitskräfte im Land zu halten und gleichzeitig Einnahmen zu generieren.
Studien deuten darauf hin, dass diese Studierenden langfristige Vorteile bringen. Eine Untersuchung des Kölner Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2022 ergab, dass internationale Studierende, die in jenem Jahr ihr Studium begannen, einen öffentlichen Überschuss von 7,36 Milliarden Euro erwirtschaften werden. Jede Gruppe von 1.000 Erstsemestern aus dem Ausland soll über 44 Jahre hinweg 620 Millionen Euro zur Wirtschaft beitragen.
Doch Deutschlands wirtschaftliche Probleme – steigende Energiekosten, Protektionismus und eine alternde Bevölkerung – machen es umso dringender, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Experten warnen, dass die Erwerbsbevölkerung ohne einen jährlichen Netto-Zuwanderungsüberschuss von 400.000 Menschen bis 2035 schrumpfen könnte. Zwar könnte die Öffnung der Hochschulen für ausländische Studierende Lücken in qualifizierten Berufen schließen, doch besteht das Risiko, dass sie nach dem Abschluss das Land verlassen und ihre Ausbildung mitnehmen.
Der Vorstoß, mehr internationale Studierende ins Land zu holen, könnte Deutschland helfen, den wirtschaftlichen Niedergang abzufedern. Gebühren und Rückerstattungsmodelle werden erprobt, um Kosten und Anreize in Einklang zu bringen. Ob diese Maßnahmen Absolventen im Land halten und die Arbeitskräfte stärken werden, bleibt jedoch abzuwarten.






