10 May 2026, 20:02

Flaggenstreit in der Weimarer Republik spaltet die Nation in zwei feindliche Lager

Plakat mit einer Deutschlandkarte und einem Nazi-Hakenkreuz-Symbol, das deutsche Text "Weiter mit Hitler" und farblich markierte Regionen zeigt, die Nachbarländer darstellen.

Flaggenstreit in der Weimarer Republik spaltet die Nation in zwei feindliche Lager

Ein erbitterter Streit um die deutsche Nationalflagge spitzte sich in den mittleren 1920er-Jahren zu und spaltete das Land in verfeindete Lager. Die rechtspopulistischen und konservativen Parteien, darunter die DVP und die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), setzten sich für die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot ein. Gleichzeitig standen die „Weimarer Koalition“ und selbst die Kommunisten geschlossen hinter den republikanischen Farben Schwarz-Rot-Gold.

Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung in zwei klare Blöcke verfestigt: Auf der einen Seite formierte sich der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ als Verteidiger der Republikflagge, auf der anderen der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“, der die Farben des untergegangenen Kaiserreichs hochhielt. Die Wurzeln des Konflikts lagen in den Revolutionsjahren 1918/19, als sich die politischen Loyalitäten neu ordneten.

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Im Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung in dem Versuch, die Gemüter zu beruhigen. Das auf einen Vorschlag von Reichskanzler Hans Luther zurückgehende Dekret schrieb vor, dass deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalflagge (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) führen mussten. Luther hatte gehandelt, nachdem die DVP eine Rückkehr zu den kaiserlichen Farben gefordert und damit die Debatte neu entfacht hatte.

Hindenburg versuchte zudem, die Krise mit einem offenen Brief vom 9. Mai zu entschärfen, in dem er zu einem verfassungspolitischen Kompromiss aufrief. Doch seine Verordnung konnte die Rechte nicht besänftigen, und Luther sah sich von beiden Seiten Kritik ausgesetzt. Der eigens eingesetzte „Reichskunstwart“, der Fragen der nationalen Symbolik klären sollte, hatte sich längst als unfähig erwiesen, das Land unter einer gemeinsamen Flagge zu einen.

Der Flaggenstreit blieb ungelöst – keine Seite war bereit, nachzugeben. Hindenburgs Kompromiss bestärkte die politische Linke und die Mitte nur noch mehr darin, Schwarz-Rot-Gold zu verteidigen. Der Konflikt offenbarten die tiefen Gräben, die die Weimarer Republik noch Jahre nach der Revolution zerrissen.

Quelle