Grüne werben mit Feminismus um junge Männer – kann das die AfD stoppen?
Marie SchneiderGrüne werben mit Feminismus um junge Männer – kann das die AfD stoppen?
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der deutschen Grünen, setzt sich für einen neuen Ansatz ein, um junge Männer für die progressive Politik zu gewinnen. Seine jüngsten Initiativen kommen zu einer Zeit, in der Umfragen eine deutliche Spaltung der Wahlgewohnheiten zeigen: Während Männer unter 24 zunehmend die rechtsextreme AfD unterstützen, stehen junge Frauen eher hinter linksliberalen Parteien. Banaszak stellt traditionelle Geschlechterrollen infrage – und erntet dafür sowohl Zustimmung als auch Skepsis.
Die Bemühungen, junge Männer zu erreichen, erhielten besondere Aufmerksamkeit, nachdem Banaszak in einem Interview mit Playboy argumentierte, starre Rollenbilder schadeten nicht nur Frauen, sondern auch Männern. Er rief Männer dazu auf, Feminismus zu akzeptieren, da auch sie von Gleichberechtigung profitieren würden. Seine Haltung knüpft an ein Manifest aus dem Jahr 2010 an, Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich, das von 21 Grünen-Politikern unterzeichnet wurde und Männer aufforderte, sich aus traditionellen Dominanzstrukturen zurückzuziehen.
Banaszaks Ansatz ist auch eine Reaktion auf die emotionale Ansprache der Rechten an junge Männer. Bei der Bundestagswahl 2021 stimmten Männer unter 24 mehrheitlich für die AfD, während ihre Altersgenossinnen eher linksliberale Parteien wählten. Die Kluft hat sich seitdem vertieft – so schlug der AfD-Politiker Maximilian Krah in einem Wahlvideo 2024 sogar vor, junge Männer, die Schwierigkeiten hätten, Partnerinnen zu finden, sollten „nach rechts“ tendieren.
Nicht alle sind von Banaszaks Strategie überzeugt. Der Deutsche Frauenrat kritisierte seine „Männerpolitik“ und hinterfragte, ob sein Aufruf zur Selbstreflexion bei Männern weit genug gehe. Unterdessen setzt der Grünen-Europaabgeordnete Rasmus Andresen auf einen anderen Weg: Über soziale Medien verbindet er linke Ideen mit persönlichen Interessen, in der Hoffnung, so gemeinsame Schnittmengen mit jungen Männern zu finden.
Banaszaks eigenes Büro – in Pink gestrichen – symbolisiert seine Abkehr von traditioneller Männlichkeit. Er gab zu, sich für das Verhalten vieler Männer zu schämen, und will zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung anregen. Sein Standpunkt ist nicht völlig neu: Schon vor zwei Jahrzehnten trug Torwart Tim Wiese bei Spielen pinkfarbene Kleidung, ohne dass seine Männlichkeit infrage gestellt wurde. Doch in der heutigen polarisierten Debatte wirkt der Diskurs dringlicher denn je.
Der Versuch der Grünen, junge Männer für sich zu gewinnen, fällt in eine Zeit, in der politische Loyalitäten zunehmend entlang der Geschlechterlinien verlaufen. Banaszaks Forderung nach Selbstreflexion und seine Ablehnung starrer Rollenbilder markieren einen Wandel darin, wie progressive Politik mit Männlichkeit umgeht. Ob diese Strategie den Einfluss der Rechten bremsen oder auf weiteren Widerstand stoßen wird, bleibt abzuwarten.






