07 May 2026, 14:04

Halberstadts getilgtes jüdisches Erbe: Wie die DDR Geschichte auslöschte

Das Holocaust-Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, das aus Reihen von unterschiedlich hohen Betonplatten besteht, die in einem Gittermuster angeordnet sind.

Halberstadts getilgtes jüdisches Erbe: Wie die DDR Geschichte auslöschte

Ein neues Buch des Historikers Philipp Graf untersucht das getilgte jüdische Erbe Halberstadts in der DDR – einer Stadt, die einst als Zentrum des neoorthodoxen Judentums galt. Seine Forschung zeigt, wie sowohl rechts- als auch linksextremer Autoritarismus zur Unterdrückung jüdischer Geschichte in der DDR beitrugen. Die Erkenntnisse stellen zudem lang gehegte Annahmen über den Umgang der DDR mit Faschismus und Antisemitismus infrage.

Die jüdische Gemeinde Halberstadts, einst ein lebendiges Zentrum des Neo-Orthodoxie, wurde zwischen 1938 und 1945 systematisch vernichtet. Die Zerstörung der Synagoge im Jahr 1938 markierte den Beginn ihrer Auslöschung, wie Martin Gabriel, Pfarrer der Liebfrauenkirche, festhielt. Nach dem Krieg versäumte es die DDR, jüdisches Kulturgut zu bewahren – mit seltenen Ausnahmen wie den Schallplatten von Lin Jaldati oder den Romanen von Peter Edel und Jurek Becker.

1949 entstand auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt eine Gedenkstätte. Doch bis 1969 wurde sie umgestaltet – nicht als Ort des Gedenkens, sondern als Versammlungsstätte für politische Treuebekundungen, direkt über den Gräbern der Häftlinge erbaut. Gleichzeitig nutzte die DDR das Tunnelsystem des Lagers in den 1970er-Jahren als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee.

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Grafs Buch „Verleugnetes Erbe“ zeichnet nach, wie die DDR ihre Faschismusanalyse bereits 1949 auf rein ökonomische Deutungen reduzierte. Bis 1989 war selbst dieses eingeschränkte materialistische Gerüst zusammengebrochen. Seine Arbeit argumentiert, dass sowohl der linksideologische Autoritarismus als auch der fortbestehende Antisemitismus in der DDR neu bewertet werden müssen.

Das Buch fordert eine Überprüfung veralteter Analysemodelle zur DDR-Geschichte und betont die Notwendigkeit, sich mit der Auslöschung jüdischer Spuren in Ostdeutschland auseinanderzusetzen. Grafs Erkenntnisse bieten einen Ausgangspunkt für eine tiefere Auseinandersetzung damit, wie Autoritarismus – unabhängig von politischer Ausrichtung – historische Erzählungen prägte.

Quelle