Hugo Boss gerät wegen juristischer Härte gegen kleine Unternehmen in die Kritik
Lotta SchulteHugo Boss gerät wegen juristischer Härte gegen kleine Unternehmen in die Kritik
Der Modekonzern Hugo Boss steht in der Kritik, weil er kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen mit juristischen Drohungen überzieht, die in ihren Namen das Wort "Boss" verwenden. Die aggressive Haltung des Unternehmens hat nun zu einem öffentlichen Aufschrei geführt – darunter auch zu einem spektakulären Protest des Komikers Joe Lycett.
Lycett ließ sich kürzlich aus Protest gegen die Vorgehensweise der Marke offiziell in "Hugo Boss" umbenennen.
Hugo Boss, 1924 gegründet, ist eine globale Modemarke mit einem Jahresumsatz von über 2,3 Milliarden Pfund und mehr als 14.000 Mitarbeitern. Doch die Geschichte des Unternehmens bleibt umstritten. 2011 entschuldigte sich das Unternehmen für seine Rolle im nationalsozialistischen Deutschland, nachdem eine Studie der Universität München ergeben hatte, dass der Firmengründer Hugo Ferdinand Boss bereits 1931 der NSDAP beigetreten war. Während des Zweiten Weltkriegs produzierte das Unternehmen Uniformen für die SS und die Wehrmacht – unter Einsatz von Zwangsarbeit.
Um diese Vergangenheit aufzuarbeiten, richtete Hugo Boss 2020 am Hauptsitz in Metzingen das "History Lab" ein. Die Initiative erforscht die Kriegsverstrickungen des Unternehmens, informiert die Öffentlichkeit darüber und integriert die Erkenntnisse in die Unternehmensgeschichte sowie in Ausstellungen.
Trotzdem geht die Marke weiterhin rigoros gegen die Nutzung ihres Markennamens vor. Kleine Betriebe wie die "Boss Brewing" Brauerei in Swansea gaben Tausende für Anwaltskosten und Umfirmierungen aus, nachdem sie Abmahnungen erhalten hatten. Selbst gemeinnützige Initiativen wie "DarkGirlBoss" sahen sich mit juristischen Schritten konfrontiert, als sie versuchten, ihre Namen schützen zu lassen.
Als Reaktion darauf ließ sich der Komiker Joe Lycett offiziell in "Hugo Boss" umbenennen – ein Protest gegen die harte Gangart des Konzerns. In seiner Verbrauchersendung "Got Your Back" plant er, unter diesem Namen ein neues Produkt auf den Markt zu bringen und damit die überzogene Vorgehensweise des Unternehmens zu karikieren.
Der Streit zeigt das Spannungsfeld zwischen markenrechtlicher Durchsetzung und öffentlicher Wahrnehmung. Durch seine juristischen Schritte rückt Hugo Boss nicht nur seine Vergangenheit, sondern auch aktuelle Geschäftspraktiken erneut in den Fokus. Kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen hingegen leiden weiter unter der finanziellen Belastung durch die kompromisslose Haltung der Marke.