Infineon baut Europas größtes Leistungselektronik-Werk in Dresden
Infineon baut seine Präsenz in Europa rasant aus – mit einem großen neuen Werk in Dresden. Die Anlage, Smart Power Fab genannt, wird zu einem der größten Standorte für Leistungselektronik auf dem Kontinent, einem Schlüsselsektor für moderne Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Die Bauarbeiten laufen bereits, die Produktion soll im Herbst 2026 starten.
Der Ausbau erfolgt in einer Phase, in der Europa um technologische Unabhängigkeit ringt. Konkurrenten wie X-Fab stocken ebenfalls ihre Kapazitäten auf. Gleichzeitig leidet die Halbleiterbranche unter einem wachsenden Fachkräftemangel, besonders in Deutschlands wichtigsten Technologieregionen.
Das neue Dresdner Werk konzentriert sich auf Leistungselektronik, die für die Energieversorgung von Rechenzentren und KI-Systemen unverzichtbar ist. Dieser Bereich erlebt einen Boom: Analysten prognostizieren, dass die fünf größten Hyperscaler bis 2026 über 700 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren werden. Allein Microsoft hat bereits 3,2 Milliarden Euro in drei deutsche Rechenzentren gesteckt – ein Zeichen für die strategische Bedeutung der Region.
Infineon sucht derzeit hunderte Mitarbeiter für den Standort, darunter Instandhaltungstechniker, Anlagenbediener und spezialisierte Ingenieure. In den Stellenausschreibungen werden explizit Quereinsteiger angesprochen – ein Indiz für den dringenden Personalbedarf. Die Rekrutierungsoffensive passt zum Branchentrend: Seit 2021 ist die Nachfrage nach Halbleiter-Fachkräften in Deutschland stark gestiegen, angetrieben durch Großinvestitionen in Chipfertigung und staatliche Förderung. Besonders akut ist der Mangel in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern, vor allem in den Bereichen Ingenieurwesen und Prozesstechnik.
Die Expansion folgt auf eine schwierige Phase für Infineons Aktie, die im vergangenen Monat um fast 9 % einbrach. Am Freitag schloss der Kurs bei 39,77 Euro, wobei der 200-Tage-Durchschnitt von 37,00 Euro als nächste wichtige Unterstützungsmarke gilt. Dennoch hält das Unternehmen an seinen Wachstumsplänen fest und setzt auf die langfristige Rolle Dresdens in Europas Technologielandschaft.
Die Dresdner Fabrik wird Infineons Position in der Leistungselektronik stärken und Europas Bestrebungen nach Halbleiterautarkie unterstützen. Die Produktion soll Ende 2026 anlaufen, gestützt durch eine durch laufende Einstellungen erweiterte Belegschaft. Angesichts steigender Investitionen in KI-Infrastruktur wird die Produktion des Werks eine zentrale Rolle bei der Deckung zukünftiger Energie- und Rechenbedarfe spielen.