13 March 2026, 14:03

Kulturminister Weimer in der Kritik: Bibliotheksstopp und Buchhandelsausschluss entfachen Debatte

Ein altes Buch mit schwarzem Einband und einer Deutschlandkarte, aufgeschlagen auf einer Text- und Zeichnungseite.

Weimer kritisiert wegen gestoppter Bibliotheksbau - Kulturminister Weimer in der Kritik: Bibliotheksstopp und Buchhandelsausschluss entfachen Debatte

Kulturminister Wolfram Weimer gerät wegen zweier umstrittenen Entscheidungen in die Kritik. Er stoppte die geplante Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig und strich drei linksgerichtete Buchhandlungen von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises. Kritiker werfen ihm vor, damit die künstlerische Freiheit und die Kulturpolitik zu gefährden.

Auslöser der Debatte war Weimers Blockade des Bibliotheksausbaus, obwohl bereits sieben Millionen Euro in die Planung geflossen waren. Die aktualisierten Kostenschätzungen für das Projekt belaufen sich mittlerweile auf rund 100 Millionen Euro. Stattdessen setzt der Minister auf den Ausbau digitaler Pflichtexemplare, um den Bedarf an physischen Lagerflächen zu verringern.

Parallel dazu schloss Weimer drei Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis aus – mit Verweis auf Bedenken der Verfassungsschutzbehörden. Er begründete dies damit, dass steuerfinanzierte Preise nicht an "Staatsfeinde" vergeben werden dürften. Scharfe Kritik kam von Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat, der diese Entscheidung als "katastrophale Kulturpolitik" aus dem Kanzleramt bezeichnete.

Die Auseinandersetzung brachte zudem die Diskussion um die sogenannte Haber-Prozedur wieder auf, ein Überprüfungsverfahren des Innenministeriums und des Bundesamts für Verfassungsschutz. Seit 2024 wurden nach diesem Verfahren bereits 12 unabhängige Fälle geprüft. Der grüne Abgeordnete Sven Lehmann warnte vor einer "schleichenden Aushöhlung" der künstlerischen Freiheit, während Oppositionspolitiker Weimers Rücktritt forderten – eine Forderung, die die Bundesregierung zurückwies.

Die Entscheidungen des Ministers haben nicht nur ein zentrales Bibliotheksprojekt zum Stillstand gebracht, sondern auch eine grundsätzliche Debatte über staatliche Einflussnahme auf Kultureinrichtungen entfacht. Da Weimer keine Anzeichen für einen Kurswechsel zeigt, dürfte der Streit die deutsche Kultur- und Politiklandschaft weiter prägen.

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