Kulturstaatsminister Weimer gerät wegen Zensurvorwürfen und umstrittenen Entscheidungen unter Druck
Emma GüntherKulturstaatsminister Weimer gerät wegen Zensurvorwürfen und umstrittenen Entscheidungen unter Druck
Bundesbeauftragter für Kultur und Medien Wolfram Weimer steht wegen einer Reihe umstrittener Entscheidungen zunehmend in der Kritik. Zuletzt richteten sich Proteste gegen seine Handhabung des Deutschen Buchhandlungspreises, die Einschränkung der Teilnahme von Buchhandlungen sowie Kürzungen bei den Erweiterungsplänen für Bibliotheken. Künstler, Kulturorganisationen und Politiker werfen ihm Zensurvorwürfe vor und sehen die künstlerische Freiheit bedroht.
Der jüngste Aufschrei begann, als Weimer drei linksgerichtete Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausschloss. Er berief sich dabei auf Geheimdienstberichte im Rahmen des Haber-Verfahrens und behauptete, die Läden stellten ein verfassungsrechtliches Risiko dar. Diese Entscheidung führte zur Absage der Preisverleihung und zu scharfer Verurteilung durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Auf der Leipziger Buchmesse im März 2026 wurde Weimer bei seinem Auftritt ausgebuht. Zudem gab es Proteste gegen seine Beschränkung bestimmter Redner auf der Veranstaltung. Kritiker, darunter der Deutsche Kulturrat, warfen ihm vor, die Unabhängigkeit der Jury zu untergraben und die Meinungsfreiheit einzuschränken.
Für weitere Empörung sorgte Weimers Blockade einer 7-Millionen-Euro-Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig – stattdessen setzte er auf Digitalisierung. Auch Angehörige von Opfern der Buchenwald-Dora-Zwangsarbeitergemeinschaft und Lagergemeinschaft lehnten seine geplante Rede zur Gedenkfeier der Buchenwald-Befreiung als unangemessen ab.
Medienberichten zufolge versuchte Weimer zudem, Tricia Tuttle, die Leiterin der Berlinale, abzulösen. Trotz der wachsenden Kritik verteidigte Bundeskanzler Olaf Scholz den Kulturstaatsminister und betonte, dieser genieße im Kulturbereich breite Unterstützung. Friedrich Merz äußerte sich im Bundestag ähnlich: Zwar sei Weimer eine polarisierende Figur, doch er stehe weiterhin hinter dem Minister.
Weimers Entscheidungen haben Debatten über Zensur, Förderprioritäten und politischen Einfluss auf die Kultur entfacht. Der Börsenverein und andere Verbände stellen seine Politik weiterhin infrage, während die Regierung an ihrer Rückendeckung festhält – die Kulturszene bleibt in seiner Führung gespalten.






