Lagarde präsentiert Dreistufenplan gegen Inflation durch Iran-Konflikt und hohe Energiepreise
Lara WagnerLagarde präsentiert Dreistufenplan gegen Inflation durch Iran-Konflikt und hohe Energiepreise
EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizziert Dreistufenplan gegen wirtschaftliche Folgen des Iran-Konflikts und explodierende Energiepreise
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat einen dreistufigen Plan vorgestellt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts und der stark gestiegenen Energiepreise zu bewältigen. Auf der Konferenz "EZB und ihre Beobachter" in Frankfurt erläuterte sie, wie die Notenbank ihre Politik je nach Entwicklung der Inflation in den kommenden Monaten anpassen werde.
Aktuell liegen die Ölpreise aufgrund des Konflikts bei über 100 US-Dollar pro Barrel, doch Prognosen deuten auf einen allmählichen Rückgang bis Ende 2026 hin. Die jüngsten Szenarien der EZB zeigen, dass die Inflationsrisiken weiterhin erhöht sind – mit möglichen Folgewirkungen für die Wirtschaft der Eurozone.
Der erste Teil von Lagardes Strategie sieht vor, kurzfristige Preisschübe bei Energie zu ignorieren. Die EZB argumentiert, dass eine Reaktion auf vorübergehende Schocks mehr schaden als nützen könnte, da geldpolitische Maßnahmen erst mit Verzögerung wirken.
Der zweite Ansatz greift, falls die Inflation das EZB-Ziel übersteigt, aber nicht von Dauer sein dürfte. In diesem Fall würde die Bank behutsame Anpassungen vornehmen, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen. Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, verglich den Entscheidungsprozess mit einem "geordneten Probit-Modell" – die Notenbank werde also in jeder Sitzung neu bewerten, ob sie die Politik unverändert lässt, leicht nachsteuert oder entschlossener handelt.
Die dritte und schärfste Reaktion käme zum Einsatz, wenn die Inflation deutlich und nachhaltig zu hoch bleibt. In diesem Szenario würde die EZB mit Nachdruck eingreifen, um langfristige wirtschaftliche Schäden zu verhindern.
Die Modelle der EZB zeigen zwei mögliche Entwicklungen: Im weniger dramatischen "negativen" Szenario könnte die Gesamtinflation auf etwa 4 Prozent steigen, bevor sie schnell wieder sinkt – mit kaum Auswirkungen auf die Kerninflation. Die Wirtschaft der Eurozone würde 2026 stagnieren, sich aber langsam erholen. Ein schwererer Schock hingegen könnte sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation für mehr als zwei Jahre über dem Zielwert halten und eine leichte Rezession auslösen.
Die aktuellen Ölpreise entsprechen weitgehend dem negativen Szenario der EZB und liegen nahe dem 95. Perzentil der erwarteten Preisentwicklung. Zwar haben kurzfristige Spitzenwerte 150 bis 170 Dollar pro Barrel erreicht, doch aktualisierte Prognosen für 2026 deuten auf einen Rückgang auf 65 bis 85 Dollar bis Jahresende hin – je nach Quelle.
Die Strategie der EZB gibt ihr die Flexibilität, je nach Lage zu reagieren. Sollten die Energiepreise volatil bleiben, wird die Bank von Sitzung zu Sitzung entscheiden, ob sie den Schock ignoriert, die Politik moderat anpasst oder entschlossen handelt. Ausschlaggebend wird sein, wie lange die Inflation über dem Ziel bleibt und ob die Eurozone mit Stagnation oder einem tieferen Abschwung konfrontiert ist.






