16 March 2026, 00:53

Milo Rau inszeniert ein fiktives Verbotsverfahren gegen die AfD in Hamburg

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert ein fiktives Verbotsverfahren gegen die AfD in Hamburg

Die diesjährigen Lessing-Tage in Hamburg enden mit einer mutigen und umstrittenen Veranstaltung: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland, in dem erörtert wird, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Die simulierte Verhandlung wird nicht von Schauspielern, sondern von echten Juristen begleitet – unter der Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, die als Richterin fungiert.

Das Lessing-Festival wurde 2010 vom damaligen Thalia-Theater-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen. Die diesjährige Ausgabe kuratiert Matthias Lilienthal, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird.

Rau ist bekannt für sein politisch aufgeladenes, postdramatisches Theater, das oft die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität verwischt. Zu seinen früheren Arbeiten zählen Der Kongo-Tribunal (2015), eine Scheinverhandlung über Ausbeutung in der Demokratischen Republik Kongo, sowie Die Moskauer Prozesse (2013), eine Nachstellung stalinistischer Säuberungen in Russland. Seine Produktion Hassrede (2019) setzte sich mit der Flüchtlingskrise in Athen auseinander und löste heftige Debatten, Todesdrohungen und sogar Aufführungsverbote in Russland aus.

Beim Gerichtsverfahren gegen Deutschland verzichtet Rau auf eine klassische Besetzung: Stattdessen führen Juristen und Rechtswissenschaftler die Diskussionen – ganz in seinem Stil, der Theater mit realen gesellschaftlichen Fragen verbindet. Die Veranstaltung wird zudem live auf der Website des Thalia Theaters übertragen und so einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Der fiktive Prozess stellt die politische Zukunft der AfD auf den Prüfstand – nicht mit theatralischer Fiktion, sondern mit juristischen Argumenten. Mit Däubler-Gmelin als Vorsitzende wird das Ereignis große Aufmerksamkeit erregen. Als Abschluss des Festivals unterstreicht es einmal mehr dessen Ruf, schwierige, aber dringend notwendige Debatten anzustoßen.

AKTUALISIERUNG

Jury Empfiehlt Überprüfung des AfD-Verbots, aber Keine Unmittelbare Verbotsverfügung

Das simulierte Verfahren endete mit einer knappen Jury-Mehrheit, die eine Überprüfung des AfD-Verbots empfahl, aber eine unmittelbare Verbotsverfügung ablehnte. Wichtige Details aus dem Urteil lauten:

  • Es kam zu keinem Konsens über ein Verbot der Partei oder die Regulierung von Medienplattformen.
  • Die juristischen Argumente konzentrierten sich auf Artikel 21 des Grundgesetzes, wobei die Juroren unzureichende Beweise für verfassungswidrige Bedrohungen feststellten.
  • Die Entscheidung zeigte die Uneinigkeit darüber, ob die AfD die demokratischen Prinzipien untergräbt.