12 March 2026, 10:02

Nachbarschaftshelfer in Sachsen-Anhalt: Warum viele die kostenlose Unterstützung nicht nutzen

Ein Plakat, das Hannover, Deutschland bewirbt und ein paar Gebäude, Bäume und Text zeigt, der Informationen über die Stadt enthält.

Nachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Nachbarschaftshelfer in Sachsen-Anhalt: Warum viele die kostenlose Unterstützung nicht nutzen

In Sachsen-Anhalt wächst ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die ältere und pflegebedürftige Menschen im Alltag unterstützen. Die sogenannten Nachbarschaftshelfer übernehmen Botengänge, helfen im Haushalt oder begleiten Betroffene zu Terminen. Trotz des Ausbaus des Angebots nutzen jedoch noch immer viele Berechtigte die vorhandene Hilfe nicht.

Die Initiative startete 2023 durch und verzeichnet seitdem eine stark steigende Nachfrage. Im ersten Jahr machten nur 299 Menschen von dem Service Gebrauch, doch bis 2024 stieg die Zahl auf 1.814. Mittlerweile haben über 4.000 Freiwillige in Sachsen-Anhalt eine Schulung absolviert und sich als Helfer registrieren lassen.

Eine von ihnen ist Kerstin Kränzel, 60 Jahre alt und im Ruhestand. Jede Woche geht sie mit einer älteren Dame mit eingeschränkter Mobilität einkaufen. Kränzel lässt sich dabei von ihren Erfahrungen in der DDR leiten, wo enge Wohngemeinschaften dafür sorgten, dass Nachbarn wie Familie zusammenhielten.

Doch das Programm bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Mehr als 103.000 Versicherte in Sachsen-Anhalt hatten 2024 Anspruch auf die Entlastungsleistung – doch weniger als 57 Prozent beantragten sie. Die Pflegeversicherung übernimmt bis zu 131 Euro monatlich für nachbarschaftliche Unterstützung, doch viele Berechtigte stellen nie einen Antrag. Stefanie Hamacher, Expertin für Pflegeleistungen, nennt zwei Hauptgründe: mangelnde Kenntnis über das Angebot und die Scham, sich Hilfe zu holen.

Sowohl Kränzel als auch Hamacher betonen, dass Nachbarschaftshelfer mehr leisten als nur praktische Hilfestellung. Sie schaffen soziale Bindungen, lindern Einsamkeit und ermöglichen den Austausch von Erfahrungen – etwas, das in den DDR-Gemeinschaften einst selbstverständlich war.

Die Zahl der geschulten Helfer in Sachsen-Anhalt steigt zwar weiter an, doch für Hilfebedürftige bleiben Hürden bestehen. Während lokale Modelle wie in Speyer, Weiherhammer und Berlin-Schöneberg erfolgreich sind, gibt es keine bundesweiten Daten, die die gesamte Reichweite des Programms erfassen. Bis dahin schließen Freiwillige wie Kränzel die Lücken – von Nachbar zu Nachbar.

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