NDR kämpft um Enthüllungen: Neue Wendung im Fall Julian Reichelt
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt nimmt eine neue Wendung. Der deutsche Rundfunksender NDR setzt sich nun dafür ein, zensierte Passagen eines Berichts aus dem Jahr 2023 wiederherzustellen, in dem ihm vorgeworfen wird, seine Position missbraucht zu haben. Der Fall, der erstmals 2022 vom Spiegel aufgedeckt wurde, ist nach fast fünf Jahren weiterhin ungelöst.
Die Kontroverse begann, als der Spiegel 2022 Berichte veröffentlichte, wonach Reichelt unangemessene Beziehungen zu weiblichen Untergebenen unterhalten habe. Er bestreitet stets, Frauen zu sexuellen Beziehungen genötigt zu haben, doch die Vorwürfe führten 2021 zu seinem Rücktritt bei Bild.
2023 untersuchte der ARD-Journalist Georg Restle den Fall in einer Sendung von Reschke Fernsehen und warf Reichelt vor, seine Machtposition bei Bild ausgenutzt zu haben. Kurz darauf erwirkte Reichelt eine einstweilige Verfügung, wodurch zentrale Abschnitte des Beitrags geschwärzt werden mussten. Die vollständige Sendung ist mittlerweile aus der ARD-Mediathek verschwunden, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.
Nun geht der NDR rechtlich gegen die Zensur vor und will die gestrichenen Inhalte wieder zugänglich machen. Der Sender plant, Zeugen zu laden, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung gedrängt. Sollte das Verfahren stattfinden, könnten öffentliche Aussagen für den Bild-Verlag Axel Springer unangenehm werden – insbesondere, da einige Frauen berichten, nach ihren Enthüllungen berufliche Nachteile erlitten zu haben.
Das deutsche Justizsystem ist bekannt für seine Langsamkeit, besonders in Presserechtsstreitigkeiten. Ungeklärt bleibt weiterhin, wie viele Beziehungen Reichelt zu Untergebenen unterhielt – und ob dabei Nötigung im Spiel war.
Der juristische Kampf geht weiter, während der NDR darauf drängt, die vollständigen Details seines ursprünglichen Berichts offenzulegen. Falls die Gerichte zu seinen Gunsten entscheiden, könnten bisher geschwärzte Vorwürfe wieder ans Licht kommen. Das Ergebnis könnte auch prägend dafür sein, wie künftig mutmaßliche Fehlverhalten am Arbeitsplatz in den deutschen Medien behandelt werden.






