Nurejews verbotene Ballett-Hommage feiert triumphales Comeback in Berlin
Lotta SchulteNurejews verbotene Ballett-Hommage feiert triumphales Comeback in Berlin
Ein mutiges Ballett zu Ehren Rudolf Nurejews feiert in Berlin ein Comeback – nach politischer Unterdrückung in Russland
Eine kühne Hommage an den legendären Tänzer Rudolf Nurejew hat in Berlin neues Leben gefunden, nachdem sie in Russland politischer Repression zum Opfer fiel. Die Produktion, inszeniert von Regisseur Kirill Serebrennikow und Choreograf Juri Possochow, erzählt von Nurejews Aufstieg, seiner Flucht aus der Sowjetunion und seinem künstlerischen Erbe. Die jüngste Premiere beim Staatsballett Berlin markiert ein triumphales Wiedererstarken nach der umstrittenen Geschichte des Stücks in Moskau.
Das Ballett Nurejew wurde 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt. Es schildert den Weg des Tänzers von seiner Ausbildung bei Alexander Puschkin bis zu seiner spektakulären Flucht nach Frankreich. Die Bühne ist mit symbolträchtigen Requisten gefüllt: männliche Akte alter Meister, schlanke Thonet-Stühle und eine Nachbildung von Nurejews Privatinsel.
Nur wenige Tage vor der Premiere 2017 wurde Serebrennikow unter dem Vorwurf der Veruntreuung verhaftet – ein Schritt, der weithin als politisch motiviert galt, da der Regisseur die Regierung kritisiert hatte und das Ballett Nurejews Homosexualität offen thematisierte. Trotz Hausarrest kam die Produktion im Dezember 2017 auf die Bühne und blieb bis 2022 im Spielplan des Bolschoi. 2023 jedoch verbot die russische Regierung das Stück im Rahmen von Gesetzen gegen die "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" und zwang die Macher, es im Ausland aufzuführen.
Die Berliner Premiere am 21. März 2026 war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Kritiker bemängelten zwar die ungleichmäßige Dramaturgie: Während der erste Akt mit Energie funkelt, verliert der zweite trotz atemberaubender Soli und großer Ensembleszenen an Schwung. Possochow, in der Ukraine geboren und heute US-Staatsbürger, arbeitet weiterhin mit dem Bolschoi zusammen, während Serebrennikow – 2020 verurteilt – seine Projekte nun außerhalb Russlands realisiert.
Diese Wiederbelebung erfolgt Jahrzehnte nach Nurejews Tod 1993 an den Folgen von Aids und der Versteigerung seines Nachlasses 1995. Bereits 1995 hatte es in Berlin eine frühe Fassung des Balletts gegeben – lange bevor das heutige politische Klima sein Schicksal prägte.
Die Berliner Aufführungen stehen für ein trotziges Revival von Nurejew, einem Werk, das die russische Regierung zum Schweigen bringen wollte. Mit Serebrennikow und Possochow, die es nun im Ausland präsentieren, ist das Ballett zugleich eine künstlerische Huldigung und ein Statement gegen Zensur. Die ausverkauften Vorstellungen in Berlin beweisen seine ungebrochene Faszination – auch wenn politische Zwänge seine Zukunft weiter beeinflussen.






