Ruhrfestspiele 2024: Ein iranisches Drama zwischen Kunst und politischer Krise
Ruhr Festival Beginnen mit iranischem Drama auf Persisch - Ruhrfestspiele 2024: Ein iranisches Drama zwischen Kunst und politischer Krise
Ruhrfestspiele finden vom 1. Mai bis 13. Juni unter dem Motto "Schock und Staunen" statt
Das diesjährige Programm umfasst Weltpremieren, Deutschlandpremieren und eine mutige Eröffnungsproduktion – ein iranisches Flüchtlingsdrama, das auf Persisch aufgeführt wird. Die Veranstalter stehen jedoch vor der Ungewissheit, ob die Schauspieler:innen aus dem Iran anreisen können, angesichts der sich verschärfenden politischen Krise im Land.
Da das Große Haus wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist, finden die Aufführungen in einem temporären Festzelt mit fast 500 Plätzen statt. Den Auftakt bildet am 3. Mai eine Ansprache der Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel.
Eröffnet wird das Festival mit "Das Kind", einem Stück der iranischen Dramatikerin Naghmeh Samini. Es erzählt die Geschichte von drei Frauen und einem Kind, die an einer europäischen Grenze gestrandet sind. Die Inszenierung wird auf Persisch gespielt – mit deutschen und englischen Untertiteln. Sollte die Truppe nicht einreisen können, muss die Vorstellung abgesagt werden, was, wie Festivalleiter Olaf Kröck einräumt, selbst eine starke Botschaft senden würde.
Die Einreise des iranischen Ensembles um die Schauspielerin Fatemeh Motamed-Arya nach Recklinghausen erforderte die Unterstützung des Auswärtigen Amts. Seit 2022 hat das iranische Regime nach den "Frau, Leben, Freiheit"-Protesten die Repression verschärft: Tausende wurden verhaftet, über 7.000 Menschen getötet, Todesurteile verhängt. Bis Anfang 2026 haben der Tod Ajatollah Chameneis und regionale Konflikte das Land ins Chaos gestürzt – mit geschlossenen Flughäfen, gestrandeten Reisenden und extremen Sicherheitsrisiken.
Neben dem Eröffnungsdrama bietet das Programm weitere Highlights: Schauspieler Joachim Król bringt Geschichten von Franz Kafka auf die Bühne, Katharina Thalbach liest aus Werken Erich Kästners, und in der Premiere "Ein wenig Licht" spielt Katja Riemann die Hauptrolle. Die Mischung aus politischem Theater und literarischen Adaptionen spiegelt das Festivalmotto von Konfrontation und Entdeckung wider.
Während das Große Haus saniert wird, finden alle Veranstaltungen in einem eigens errichteten Zelt statt. Der Raum mit fast 500 Plätzen bildet am 3. Mai die Kulisse für Ursula Krechels Eröffnungsrede und setzt den Ton für sechs Wochen voller Aufführungen.
Ob "Das Kind" gezeigt werden kann, hängt nun davon ab, ob die iranische Truppe das Land verlassen darf. Gelingt die Einreise, erleben die Zuschauer:innen eine seltene persischsprachige Produktion in Deutschland. Scheitert sie, unterstreicht die Absage die dramatischen Einschränkungen, denen iranische Künstler:innen heute ausgesetzt sind.
Das Festival läuft bis zum 13. Juni und bietet in einem provisorischen Spielort ein Programm aus Premieren, Lesungen und Theater. Die Veranstalter sind auf beide Szenarien vorbereitet – Aufführung oder Stille –, die jeweils ihre eigene Bedeutung tragen.
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