Sächsische Kurorte kämpfen um finanzielle Rettung durch den Freistaat
Lotta SchulteKostenfaktor Kur: Kommunen fordern Beteiligung des Landes - Sächsische Kurorte kämpfen um finanzielle Rettung durch den Freistaat
Sachsens 14 staatlich anerkannte Kurorte drängen auf finanzielle Unterstützung durch die Landesregierung. Die Städte verzeichnen aufgrund der hohen Kosten für die Aufrechterhaltung ihres Kurstatus gemeinsam ein jährliches Defizit von rund 10 Millionen Euro. Kommunen und Tourismusverbände fordern nun vom Freistaat die Einführung eines Ausgleichsfonds.
Der Erhalt des Prädikats "Kurort" ist mit erheblichen Ausgaben verbunden: Regelmäßige Kontrollen und die Pflege der Heilquellen, die Modernisierung der Infrastruktur sowie die Einhaltung strenger Qualitätsstandards treiben die Kosten in die Höhe. Trotz eines jährlichen Bruttoumsatzes von 650 Millionen Euro im sächsischen Kurwesen – von dem der Großteil in private Unternehmen fließt – übersteigen die Aufwendungen oftmals die Einnahmen der Städte selbst.
Die finanzielle Belastung zwingt zu schwierigen Entscheidungen. Bad Brambach und Bad Elster sollen fusionieren, auch wegen der langjährigen Haushaltsprobleme Bad Brambachs, die eng mit den Kurort-Verpflichtungen zusammenhängen. Gleichzeitig bleibt die Verlängerung der offiziellen Anerkennung als Heilbad – trotz der hohen Kosten – unverzichtbar, da sie Besucher anzieht und die regionale Wirtschaft stärkt.
Seit Jahren fordert der Tourismusverband Sachsen Entlastung, bisher jedoch ohne greifbare Erfolge. Tourismusministerin Barbara Klepsch unterstützt die Forderungen der Kurorte, doch ein konkretes Fördermodell fehlt noch. Ein mögliches Vorbild bietet das benachbarte Hessen: Seit 2016 verteilt das Land im Rahmen des Bäderpfennigs jährlich 13 Millionen Euro an 31 Kurorte über den kommunalen Finanzausgleich. Sachsens Städte- und Gemeindebund pocht nun darauf, dass der Freistaat einen rechtlichen Rahmen schafft, um eine faire Finanzierung zu gewährleisten.
Ohne Landeshilfe wird sich die finanzielle Schieflage der sächsischen Kurorte weiter verschärfen. Ein Ausgleichsfonds könnte die Pflichtausgaben abfedern und die wirtschaftliche Rolle der Städte sichern. Ob die Landesregierung auf die seit Langem erhobenen Hilferufe reagiert, wird über die nächsten Schritte entscheiden.