Schaustellerhandwerk und Herrenschneiderei sind nun deutsches Kulturerbe
Lotta SchulteSchaustellerhandwerk und Herrenschneiderei sind nun deutsches Kulturerbe
Deutsches Schaustellerhandwerk und die handwerkliche Herrenschneiderei sind in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Die Entscheidung gab Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt. Beide Traditionen reihen sich damit ein in bereits anerkannte Bräuche wie die Ostseefischerei oder die Sankt-Martins-Umzüge im Rheinland.
Die Kultusministerkonferenz würdigte offiziell die Schaustellerkultur als langjährige deutsche Tradition. Ein zentrales Symbol dieser Kultur ist der Aufruf "Junger Mann für Reise gesucht" – ein Ruf, der Generationen in das Leben auf dem Jahrmarkt gelockt hat. Die Aufnahme der Herrenschneiderei hingegen löste eine Debatte aus, ob sich das Handwerk deutlich genug von ähnlichen Traditionen in den Nachbarländern abhebt.
Wolfram Weimer, bekannt für seine strenge Haltung bei staatlich geförderter Kulturförderung, zeichnete auch für die jüngsten Ergänzungen verantwortlich. Sein Vorgehen steht dabei besonders im Fokus, nachdem er zuletzt in die Kritik geraten war. So hatte er ein Übersetzungsprojekt palästinensischer Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds gestrichen, was zu Protesten von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-geführten Bundesländern führte.
Nicht alle kulturellen Elemente schafften es diesmal auf die Liste. Der Döner, unabhängige linksalternative Buchhandlungen und sogar die SPD-Sommerfest-Bratwurst blieben außen vor. Diese Auslassungen sorgen bei manchen für Verwunderung, die sie als ebenso prägend für die deutsche Kulturlandschaft ansehen.
Mit den Neuzugängen steigt die Zahl der anerkannten immateriellen Kulturgüter in Deutschland auf über 100. Die Schaustellerkultur und die Herrenschneiderei stehen nun neben etablierten Traditionen wie dem Bolzplatz-Fußball oder den Sankt-Martins-Umzügen im Rheinland. Die Entscheidungen spiegeln die anhaltende Diskussion wider, was die deutsche kulturelle Identität ausmacht und wie sie bewahrt werden kann.






