06 March 2026, 02:03

Sechs Jahre nach Hanau: Familien kämpfen weiter um Gerechtigkeit für die Opfer

Eine Gruppe von Menschen marschiert auf einer Straße in Berlin, hält Schilder und Banner hoch, während einige Fahrräder fahren, vor einem Gebäude mit Bögen, Säulen, Skulpturen und Bäumen.

Erinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff ruft Diversität auf - Sechs Jahre nach Hanau: Familien kämpfen weiter um Gerechtigkeit für die Opfer

Angehörige und Freunde versammelten sich, um an Hamza Kurtović zu erinnern, eines von neun Opfern des rassistischen Anschlags in Hanau vor sechs Jahren. Die Gedenkfeier am 19. Februar 2026 zählte zu den Teilnehmern den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff sowie die trauernde Familie, die weiterhin Gerechtigkeit für die unaufgeklärten Versäumnisse im Zusammenhang mit der Tragödie fordert.

Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Rechtsextremist neun Menschen – die meisten mit muslimischem Hintergrund – erschossen, bevor er seine Mutter und sich selbst tötete. Der Anschlag löste bundesweit Empörung über die Zunahme von Hassverbrechen und Lücken im staatlichen Schutz aus. Ein Regierungsbericht von 2023 skizzierte zwar Maßnahmen gegen muslimfeindliche Feindseligkeit, doch Familien wie die Kurtovićs bestehen darauf, dass eine umfassende Aufarbeitung noch aussteht.

Bei der Veranstaltung besuchte Wulff gemeinsam mit Hamzas Vater, Armin Kurtović, das Grab des jungen Mannes. Wulff mahnte, die Gesellschaft müsse Diskriminierung entschlossener entgegentreten, und kritisierte eine Kultur der Gleichgültigkeit. Zu den Gästen zählten zudem Beate Hofmann, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, sowie Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau.

Die Familie Kurtović wirft den Ermittlern seit Langem vor, den Fall falsch behandelt zu haben – insbesondere wegen eines verschlossenen Notausgangs am zweiten Tatort. Im November 2023 reichten Armin und Dijana Kurtović eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein, in der sie geltend machen, dass systemische Versäumnisse zum Tod ihres Sohnes beigetragen hätten. Ihr Kampf um Aufklärung hält an, während in ganz Deutschland jährlich Gedenkveranstaltungen und Antirassismus-Initiativen stattfinden.

Sechs Jahre nach dem Anschlag von Hanau kämpfen die Angehörigen weiterhin für vollständige Transparenz und Reformen. Gedenkfeiern und juristische Schritte halten die Namen der Opfer im öffentlichen Bewusstsein, doch die Forderungen nach besserem Schutz vor Hasskriminalität bleiben unerfüllt. Die Veranstaltung markierte einen weiteren Schritt in einem langen Ringen um Gerechtigkeit und Wandel.

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