Steffi: Wie die DDR-Barbie zur Kultfigur und sozialistischen Ikone wurde
Marie SchneiderModepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60 - Steffi: Wie die DDR-Barbie zur Kultfigur und sozialistischen Ikone wurde
In den 1960er-Jahren führte die DDR mit Steffi eine eigene Modepuppe ein, um der amerikanischen Barbie Konkurrenz zu machen. Steffi avancierte zur Kultfigur und wurde als "Barbie des Sozialismus" bekannt. Entworfen von Margot Schmied und in Waltershausen produziert, spiegelte die 30 Zentimeter große Puppe nicht nur den Zeitgeist wider – sie war Barbie in Sachen Vielfalt sogar einen Schritt voraus.
Barbie hatte 1959 als Abkömmling der deutschen Bild-Lilli-Puppe Debüt gefeiert. Sechs Jahre später konterte die DDR mit Steffi, einer Modepuppe speziell für Teenager. Anders als ihre westliche Konkurrentin wurde Steffi von Anfang an in verschiedenen Hauttönen hergestellt – ein Novum, das sie inklusiver machte als Barbie.
Doch nicht nur das machte Steffi besonders. Ihr Körperbau war kräftiger und betont sanduhrförmig, was manche als realistischere Erwachsenenfigur empfanden. Ihr Make-up – mit dickem Eyeliner und türkisblauem Lidschatten – sowie die üppige Synthetikfrisur entsprachen ganz dem Stil der 1960er. Schmied taufte die Puppe nach ihrer eigenen Tochter, und die Produktion lief im volkseigenen Betrieb VEB Puppenfabrik Biggi in Waltershausen.
Steffi war jedoch nicht nur für den heimischen Markt bestimmt. Sie wurde häufig exportiert und an ausländische Würdenträger verschenkt – als kleine, aber symbolträchtige Botschafterin der DDR. Nach der Wiedervereinigung 1990 lief die Herstellung kurzzeitig unter dem Dach des VEB Kombinat Spielwaren weiter, bevor die Produktion an die westdeutsche Simba-Dickie-Gruppe überging. Dieser Wechsel modernisierte die Fertigung, eröffnete den Zugang zu westlichen Märkten und steigerte die Verkaufszahlen deutlich.
Während viele DDR-Spielzeuge wie der Trabi-Bär oder thüringische Spielsets gegen Barbie und westliche Importware kaum eine Chance hatten, passte sich Steffi an. Durch die Anpassung an internationale Standards entwickelte sie sich zu einer der wenigen überlebenden Marken der DDR. Heute erzielen originale Steffi-Puppen je nach Zustand und Ausstattung Preise zwischen 20 und 200 Euro. Die aktuelle Steffi LOVE der Simba-Dickie-Gruppe hat jedoch keine Verbindung mehr zur ursprünglichen DDR-Version.
Steffi bleibt ein einzigartiges Stück deutscher Geschichte – eine Verbindung aus sozialistischer Industrie, Mode und gesellschaftlichem Fortschritt. Originalpuppen sind heute bei Sammlern begehrt, während ihr Erbe als eine der seltenen DDR-Marken, die die Wiedervereinigung überstanden, weiterlebt. Im Gegensatz zu vielen anderen DDR-Spielzeugen gelang ihr der Sprung auf den globalen Markt – wenn auch unter neuer Führung.