Streit um Apothekenfinanzierung: Lokale Betriebe kämpfen ums Überleben gegen Großketten
Lotta SchulteStreit um Apothekenfinanzierung: Lokale Betriebe kämpfen ums Überleben gegen Großketten
Ein Streit über die Finanzierung von Apotheken ist zwischen einem örtlichen Apotheker und einer gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen entbrannt. Zafer Arslan, Inhaber der Apotheke an der Post in Wermelskirchen, widersprach den Kritikpunkten von Paula Piechotta am Apotheken-Versorgungsstärkungsgesetz. Das Gesetz soll die Apothekengebühren anpassen, doch Piechotta befürchtet, dass es große Ketten auf Kosten kleinerer Betriebe begünstigen könnte.
Seit 2020 sind die Festbeträge für Ärzte in Deutschland stärker gestiegen als die für Apotheken. Die Honorare der Ärzte, die jährlich ausgehandelt werden, erhöhten sich von etwa 4,71 Euro im Jahr 2020 auf 5,50 Euro bis 2024. Die Apothekengebühren hingegen stiegen nur moderat – von rund 7,42 Euro auf 7,90 Euro im gleichen Zeitraum. Arslan verwies darauf, dass Ärzte kürzlich Gehaltserhöhungen von 3,85 Prozent für 2025 und 2,8 Prozent für 2026 durchsetzten, während ähnliche Anpassungen für Apotheken auf Widerstand stoßen.
Piechotta argumentierte, es sei schwer vermittelbar, warum Versicherten mit geringem Einkommen – etwa einem Lieferfahrer oder einer alleinerziehenden Mutter mit 2.500 Euro Bruttomonatseinkommen – höhere Krankenkassenbeiträge durch Apothekengebühren erklärt werden müssten. Das neue Gesetz könnte ihrer Meinung nach vor allem großen, umsatzstarken Apotheken nützen und kleinere Betriebe in Bedrängnis bringen. Arslan entgegnete, dass viele lokale Apotheken trotz ihrer unverzichtbaren Rolle – von der Medikamentenversorgung über persönliche Beratung bis hin zu Notdiensten – ums Überleben kämpften.
In einer E-Mail an Piechotta hinterfragte Arslan, warum Apothekengebühren, die seit Jahrzehnten unverändert blieben, nicht wie in anderen Branchen die Inflation abbilden sollten. Zudem fragte er, warum Honorarerhöhungen für Ärzte weniger kritisch hinterfragt würden als Anpassungen bei Apotheken. Arslan forderte eine sachliche Debatte ohne pauschale Vorwürfe gegen den Berufsstand und betonte, dass Apotheken Risiken trügen, ohne automatischen Inflationsausgleich zu erhalten.
Der Austausch zeigt die Spannungen bei der Gesundheitsfinanzierung und den wirtschaftlichen Druck auf kleine Apotheken. Während Ärzte kontinuierliche Gehaltssteigerungen verzeichnen, bleiben Anpassungen der Apothekengebühren umstritten. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen Gerechtigkeit, Inflationsausgleiche und das Überleben lokaler Betriebe im Gesundheitssystem.