Streit um geplante Rückführung von 80 Prozent der syrischen Geflüchteten bis 2029
Lotta SchulteStreit um geplante Rückführung von 80 Prozent der syrischen Geflüchteten bis 2029
Ein umstrittenes Vorhaben, 80 Prozent der syrischen Geflüchteten aus Deutschland innerhalb von drei Jahren zurückzuführen, hat scharfe Kritik ausgelöst. Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa einigten sich zwar auf dieses Ziel, doch Experten warnen vor erheblichen Hindernissen. Offizielle Zahlen zufolge leben derzeit rund 936.000 Syrerinnen und Syrer in Deutschland, die meisten von ihnen flohen seit 2011 vor dem Bürgerkrieg.
Das Vorhaben sieht vor, bis 2029 Hunderttausende Syrer in ihre Heimat zurückzubringen. Doch die anhaltende Gewalt im Norden und Nordosten Syriens macht eine sichere Rückkehr für viele unwahrscheinlich. Die humanitäre Lage bleibt prekär: zerstörte Häuser, beschädigte Straßen sowie ein schwerwiegender Mangel an Arbeitsplätzen und Wohnraum prägen das Land.
Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration, lehnt den Plan entschieden ab. Er argumentiert, dieser wecke falsche Hoffnungen und schaffe unnötige Unsicherheit für Geflüchtete, die sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut hätten. Viele seien mittlerweile gut integriert, gingen einer Arbeit nach, zahlten Steuern und schickten ihre Kinder auf örtliche Schulen.
Kluth erkennt zwar an, dass Syrien Unterstützung beim Wiederaufbau braucht und dass es einen Wunsch nach Rückkehr gibt. Doch er betont die Schwierigkeiten, abschätzen zu können, wann Gebiete tatsächlich sicher seien. Zudem fordert er, die Rechte der Geflüchteten mit den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarktes in Einklang zu bringen – schließlich besetzen viele Syrer hierzulande unverzichtbare Positionen.
Die Rückführungspläne stoßen auf massive praktische und ethische Herausforderungen. Angesichts der noch immer zerstörten Infrastruktur und der anhaltenden Konflikte in Syrien erscheinen groß angelegte Rückkehrprogramme auf absehbare Zeit unrealistisch. Gleichzeitig muss Deutschland die wirtschaftlichen Beiträge syrischer Arbeitskräfte gegen den politischen Druck zur Reduzierung der Migration abwägen.






