02 April 2026, 22:02

Streit um Medienkunstfestival: Antisemitismus-Vorwürfe gegen palästinensische Künstlerin entfachen Debatte

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau mit Menschen und Bäumen und Text.

Streit um Medienkunstfestival: Antisemitismus-Vorwürfe gegen palästinensische Künstlerin entfachen Debatte

Kontroverse um Europäisches Medienkunstfestival in Osnabrück: Streit um Film einer palästinensischen Künstlerin

Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück steht wegen der geplanten Aufführung eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Larissa Al-Sharif in der Kritik. Zwar hat das Festival seit jeher vielfältige Perspektiven eingebunden – darunter auch jüdische und israelische Stimmen –, doch werfen Gegner Al-Sharif nun Antisemitismus und Verbindungen zur BDS-Bewegung vor. Die Debatte hat Reaktionen von lokalen Politikern und Behörden ausgelöst, wobei sich sowohl die Stadt als auch die Landesregierung von der Veranstaltung distanzieren.

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Das diesjährige Programm des EMAF, das unter dem Motto "Eine unvollständige Versammlung" steht, setzt sich mit künstlerischer Freiheit und ihren Grenzen auseinander. Zu den ausgewählten Werken gehört Al-Sharifs Film "Morning Circle", der nun im Mittelpunkt des Streits steht. Kritiker argumentieren, dass ihre politischen Äußerungen – insbesondere in sozialen Medien – mit der BDS-Bewegung übereinstimmen und antisemitische Untertöne enthalten. Befürworter wie Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, halten dagegen, dass das Schweigen palästinensischer Standpunkte ungerecht wäre. Groß betont, die Meinungsfreiheit schütze auch Al-Sharifs Beiträge, selbst wenn sie auf Widerspruch stoßen.

Die Stadt Osnabrück, die das EMAF mit jährlich rund 150.000 Euro fördert, hat eine klare Position bezogen. Sowohl die Kommunalverwaltung als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben sich öffentlich von der Programmauswahl des Festivals distanziert. In ihren Stellungnahmen verurteilen sie zwar Antisemitismus, erkennen aber gleichzeitig das Recht des Festivals an, sein Programm eigenständig zu gestalten.

Das EMAF hat in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet, ebenso wie mit jüdischen und israelischen Beitragenden. Doch die diesjährige Aufnahme von Al-Sharifs Werk hat die Auseinandersetzung verschärft. Die Kritik konzentriert sich weniger auf den Film selbst als vielmehr auf ihr politisches Engagement – ein Spiegel der größeren Spannungen in Deutschland um die BDS-Debatte. Aktuelle juristische Rückschläge, wie die jüngste Abweisung einer Klage gegen fünf BDS-Aktivisten, unterstreichen die zunehmende gesellschaftliche Isolation der Bewegung.

Die Vorführung von Al-Sharifs Film wird wie geplant stattfinden, doch die Kontroverse hat tiefe Gräben offenbart. Die Stadt hält zwar an der finanziellen Unterstützung des Festivals fest, lehnt aber die aktuelle Programmentscheidung ab. Das EMAF bleibt damit gefordert, den Balanceakt zwischen künstlerischem Ausdruck und politischer Sensibilität zu meistern – unter schärferer öffentlicher und politischer Beobachtung als je zuvor.

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