Vom Gangmitglied zum Mahner: Tim Raues brutale Jugend in den "36 Boys"
Marie SchneiderVom Gangmitglied zum Mahner: Tim Raues brutale Jugend in den "36 Boys"
Tim Raue gehörte einst zu den „36 Boys“, einer Straßengang in Berlin-Kreuzberg. Zwischen 14 und 16 Jahren war er in gewalttätige Auseinandersetzungen und brutale Aufnahmerituale verwickelt. Heute blickt er auf diese stürmische Phase mit einer Mischung aus Reue und Verständnis zurück.
Die „36 Boys“ bildeten sich aus dem Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit in Kreuzbergs rauer Nachbarschaft. Mit etwa 30 bis 40 Mitgliedern waren sie rivalisierenden Banden oft zahlenmäßig unterlegen. Schlägereien gehörten zum Alltag, manchmal mit Waffen wie Baseballschlägern.
Neue Mitglieder mussten eine grausame Probe bestehen: drei Minuten lang gegen zwei Gangmitglieder kämpfen. Raue trägt noch heute eine Narbe im Gesicht von seiner eigenen Initiation, bei der er geschlagen wurde, aber nicht floh. Er gibt zu, die vollen drei Minuten nicht durchgehalten zu haben – doch er bewies, dass er sich nicht unterkriegen ließ. Selbst in größeren Bandenschlachten spürte er den Drang zur Flucht, zwang sich aber, standzuhalten.
Heute lehnt Raue Gewalt ab, doch er erkennt die Denkweise an, die ihn einst antrieb. Seine Erlebnisse prägen bis heute seine Vergangenheit – geprägt von Stolz und Schmerz zugleich. Die „36 Boys“ lösten sich irgendwann auf, doch Raues Zeit in der Gang hinterließ tiefe Spuren – körperliche wie seelische. Seine Geschichte wirft ein Licht auf den Kreislauf der Jugendgewalt in Berlins Straßen. Offener als viele spricht er heute über die Gefahren dieses Lebens und hofft, dass andere diesen Weg meiden.






