27 April 2026, 12:05

Warum der Völkermord an den Armeniern in Schulen kaum thematisiert wird

Eine detaillierte Karte von Anatolien und Armenien auf Papier, mit geografischen Merkmalen und begleitendem Text versehen.

Warum der Völkermord an den Armeniern in Schulen kaum thematisiert wird

Deutschland hat die Forderung erneuert, den Völkermord an den Armeniern 1915 in die Schulcurricula aufzunehmen. Trotz eines Bundestagsbeschlusses aus dem Jahr 2016, der die Behandlung des Themas im Unterricht fordert, bleibt es in vielen Klassenzimmern ein blinder Fleck. In diesem Jahr jährt sich die systematische Ermordung von etwa 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich zum 111. Mal.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der Deutsche Bundestag hatte den Völkermord 2016 offiziell anerkannt und Schulen aufgefordert, ihn zu thematisieren. Doch überfüllte Lehrpläne und begrenzte Ressourcen verdrängen das Thema oft. Historiker verweisen zudem auf die eigene Mitverantwortung Deutschlands, das damals mit dem Osmanischen Reich verbündet war.

Um Lehrkräften die Auseinandersetzung mit der Thematik zu erleichtern, hat der Reclam Verlag nun einen neuen Schulroman veröffentlicht. Laura Cwiertnias "Auf der Straße haben wir andere Namen" begleitet Überlebende und ihre Nachkommen und setzt sich mit den Themen Völkermord, Vertreibung und Diskriminierung auseinander. Die Ausgabe enthält ein Nachwort der Historikerin Swantje Ehlers, das Schüler:innen historischen Kontext bietet.

Der Literaturunterricht könnte hier einen Zugang bieten. Pädagog:innen sind überzeugt, dass fiktionale Erzählungen junge Leser:innen emotional berühren und historische Ereignisse greifbarer machen. Die Schwerpunkte des Romans – Überleben und Migration – dürften zudem viele Schüler:innen in ihren eigenen Erfahrungen ansprechen.

Doch der Beschluss von 2016 bleibt in vielen Schulen unumgesetzt. Verlage und Historiker:innen arbeiten zwar an zugänglichen Materialien, doch ohne Anpassungen der Lehrpläne droht der Völkermord auch künftig nur eine Fußnote im deutschen Bildungssystem zu bleiben.

Quelle