Wie die Saublodere aus Schweineblasen die Rottenburger Fasnet prägt
Emma GüntherStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Wie die Saublodere aus Schweineblasen die Rottenburger Fasnet prägt
Jedes Jahr zur Fasnetszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, hallt das scharfe Knallen der Saublodere durch die Straßen. Diese traditionellen Lärminstrumente werden aus aufgeblasenen Schweineblasen hergestellt, die sorgfältig präpariert und an Stiergenitalien oder Kuhschwänze gebunden werden. Seit Jahrzehnten sind sie fester Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Fastnachtsbräuche, auch wenn einige Zünfte mittlerweile auf Rinderblasen umsteigen.
Die Herstellung einer Saublodere beginnt mit der Beschaffung von Schweineblasen bei örtlichen Metzgern. Jede Blase wird entleert, in Lake eingelegt, gründlich gereinigt und auf Mängel überprüft. Nur die robustesten Exemplare werden ausgewählt, dann mit Druckluft aufgeblasen, um beim Aufschlagen auf den Boden den charakteristischen lauten Knall zu erzeugen.
Ist die Blase fertig, wird sie an einen Hagenschwanz gebunden – die Genitalien eines geschlachteten Stiers oder in manchen Fällen einen Kuhschwanz. Das daraus entstehende Lärminstrument dient sowohl als Neckwerkzeug als auch als Symbol der Eitelkeit und schreckt mit seinem ohrenbetäubenden Geräusch die Zuschauer auf. Allerdings ist seine Lebensdauer kurz: Eine Saublodere hält meist nur wenige Umzüge, bevor sie ersetzt werden muss.
In den letzten Jahren sind einige Fasnetszünfte dazu übergegangen, Rinderblasen zu verwenden. Ihre größere Größe und höhere Haltbarkeit machen sie zu einer attraktiven Alternative, auch wenn keine zentralen Aufzeichnungen existieren, wie viele Zünfte sie inzwischen den Schweineblasen vorziehen. Die Vorlieben variieren je nach Region und Tradition, sodass beide Materialien in Baden-Württemberg weiterhin im Einsatz sind.
Die Saublodere bleibt ein prägendes Element der Fastnacht in Rottenburg und darüber hinaus. Ob aus Schweine- oder Rinderblasen gefertigt – ihr lautes Knallen begleitet weiterhin die Fasnetszeit. Die Zünfte werden sie auch in Zukunft jedes Jahr vorbereiten und so den Brauch für kommende Generationen bewahren.






