Zwei Lithium-Projekte im Erzgebirge kämpfen um EU-Förderung und Zukunftschancen
Emma GüntherZwei Lithium-Projekte im Erzgebirge kämpfen um EU-Förderung und Zukunftschancen
Zwei große Lithium-Projekte im Erzgebirge konkurrieren um die Unterstützung der EU für die Förderung kritischer Rohstoffe. Auf tschechischer Seite hat die Mine Cínovec bereits den Status eines strategischen Vorhabens erhalten und 33 Millionen Euro an EU-Fördergeldern eingeworben. Unterdessen hat das deutsche Unternehmen Zinnwald Lithium einen erneuten Antrag auf Anerkennung gestellt – eine Entscheidung wird für Mitte 2026 erwartet.
Beide Initiativen zielen darauf ab, die wachsende Nachfrage Europas nach Lithium zu decken, einem Schlüsselelement für die Batterien von Elektrofahrzeugen. Der seit einem Jahrzehnt verfolgte Plan, die heimische Förderung auszubauen, steht nun an einem entscheidenden Punkt: Die Verantwortlichen müssen das wirtschaftliche Potenzial gegen strenge Nachhaltigkeitsauflagen abwägen.
Das Cínovec-Projekt in Tschechien steht seit 2023 auf der EU-Liste strategischer Rohstoffe. Betrieben vom Unternehmen Geomet, soll es jährlich 3,2 Millionen Tonnen Erz fördern und daraus 37.000 Tonnen Lithiumkarbonat gewinnen – genug für bis zu 1,3 Millionen Elektroautos. Das Vorhaben könnte 2.000 direkte Arbeitsplätze schaffen und hat bereits fast 33 Millionen Euro an EU-Mitteln erhalten.
Jenseits der Grenze in Sachsen reichte Zinnwald Lithium im Januar 2023 einen neuen Antrag auf den Status eines kritischen EU-Rohstoffs ein, nachdem ein vorheriger Versuch im Vorjahr abgelehnt worden war. Unternehmenschef Marko Uhlig betonte, die Anerkennung würde Investoren Sicherheit geben. Eine endgültige Entscheidung aus Brüssel steht nun in der ersten Jahreshälfte 2026 an.
Deutschland hat sich zum aktivsten EU-Land bei der Beantragung des Status kritischer Rohstoffe entwickelt: Allein Anfang 2023 wurden mehrere Anträge eingereicht. Wirtschaftsminister Dirk Panter unterstrich die Bedeutung lokaler Ressourcen für die sächsische Industrie und Automobilbranche. Der Freistaat hat seit 2006 insgesamt 88 neue Erzabbau-Genehmigungen erteilt und positioniert sich damit als Vorreiter der europäischen Erkundung.
Doch selbst mit einer EU-Anerkennung betont die sächsische Bergbaubehörde, dass die Projekte den üblichen regulatorischen Prüfungen unterlägen. Ein Sprecher der Europäischen Kommission erklärte, alle Anträge müssten Versorgungsicherheit, technische Machbarkeit sowie die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards nachweisen.
Anders als sein tschechisches Pendant hat das Zinnwald-Projekt bisher keine staatliche Finanzhilfe erhalten. Beide Vorhaben sind das Ergebnis jahrzehntelanger Planung, hängen nun aber von politischen und behördlichen Entscheidungen ab.
Die Ergebnisse dieser Anträge werden die Zukunft des Lithiumabbaus in Mitteleuropa prägen. Bei einer Genehmigung könnten die Projekte die regionale Beschäftigung stärken und die Abhängigkeit von Importen verringern. Doch die strengen EU-Kriterien bedeuten, dass die endgültigen Entscheidungen von mehr als nur wirtschaftlichen Versprechungen abhängen werden.






