07 April 2026, 14:08

Zwei Statuen, zwei Geschichten: Kolumbus in Washington und eine Mahnmal in Brandenburg

Außenansicht des Houston Holocaust Museums mit einer strukturierten Wand, verstreuten Steinen, Grünflächen, Bäumen, vorbeifahrenden Fahrzeugen, einem Straßenpfahl und einem bewölkten Himmel.

Zwei Statuen, zwei Geschichten: Kolumbus in Washington und eine Mahnmal in Brandenburg

Zwei Statuen, tausende Kilometer voneinander entfernt, stehen heute als stumme Zeugnisse der Geschichte – die eine ehrt einen umstrittenen Entdecker, die andere erinnert an Opfer von Zwangsarbeit. In Washington D.C. wurde eine Statue von Christoph Kolumbus in der Nähe des Weißen Hauses aufgestellt und löste damit eine Debatte über die koloniale Vergangenheit Amerikas aus. Unterdessen sorgt eine stählerne Figur an einer ruhigen Landstraße in Brandenburg dafür, dass ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

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Im Juni 2020 ordnete der damalige US-Präsident Donald Trump an, eine Statue von Christoph Kolumbus auf der Nordseite des Eisenhower Executive Office Building aufzustellen. Dies geschah während landesweiter Proteste gegen rassistische Ungerechtigkeit und einer breiten Auseinandersetzung mit historischen Persönlichkeiten, die mit Unterdrückung in Verbindung gebracht werden. Italienisch-amerikanische Gruppen, darunter die Vereinigung Italian American Organizations United, unterstützten die Aufstellung und erklärten, sie glaubten, die Statue werde "friedlich strahlen" und geschützt bleiben.

Die Kolumbus-Statue ist seitdem an bedeutenden Tagen wie dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar und dem Tag der Befreiung am 8. Mai ein Treffpunkt geworden. Kritiker sehen in ihrer Platzierung einen gezielten Gegenentwurf zu Bestrebungen, sich mit dem gewalttätigen kolonialen Erbe Amerikas auseinanderzusetzen.

Auf der anderen Seite der Welt erzählt eine weitere Statue eine ganz andere Geschichte. 2018 in Brandenburg errichtet, steht die stählerne Figur am Eingang des Gutshofs Neuendorf im Sande. In Auftrag gegeben wurde sie vom Bruder von Jutta Baumwol, die von Neuendorf nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Die Statue symbolisiert die Menschen, die in den frühen 1940er-Jahren auf dem Gut zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, und stellt eine stille, aber kraftvolle Mahnung dar.

Anders als das umstrittene Kolumbus-Denkmal zieht diese Statue Besucher an, die zum Nachdenken kommen – Radfahrer, die auf Landstraßen haltmachen, Geocaching-Enthusiasten und solche, die der Vergangenheit gedenken. Ihre Präsenz sorgt dafür, dass eine schmerzhafte Phase der lokalen Geschichte sichtbar bleibt und dem Vergessen widersteht.

Die beiden Statuen erfüllen heute unterschiedliche Zwecke: Die eine festigt eine umstrittene Erzählung, die andere bewahrt eine Geschichte des Leidens. Die Kolumbus-Figur in Washington zieht weiterhin sowohl Befürworter als auch Protestierende an, ihre Zukunft ist mit den anhaltenden Debatten über Geschichte und Erinnerung verknüpft. In Brandenburg steht die stählerne Frau als dauerhafte Mahnung für die verlorenen Leben und stellt sicher, dass die Zwangsarbeiter von Neuendorf im Sande nicht vergessen werden.

Quelle