Apotheken in der Bürokratie-Falle: Warum Nullzuschlags-Rückforderungen sie in die Knie zwingen

Lotta Schulte
Lotta Schulte
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Eine Apotheke namens 'The Generics Pharmacy' umgeben von Gebäuden, Strommasten, Werbetafeln, Zimmerpflanzen und Fahrzeugen auf der Straße unter einem klaren blauen Himmel.Lotta Schulte

Apotheken in der Bürokratie-Falle: Warum Nullzuschlags-Rückforderungen sie in die Knie zwingen

Apotheken in Deutschland kämpfen weiter mit ungelösten Problemen bei Nullzuschlags-Rückforderungen durch gesetzliche Krankenkassen

Trotz jahrelanger Kritik gab es keine grundlegenden rechtlichen Änderungen, um das Problem zu beheben – viele Betriebe bleiben in einer unsicheren Lage. Der Bundesverband der Versorgungsapotheker (BVVA) hat nun mehrere Vorschläge vorgelegt, um bürokratische Hürden abzubauen und die Arbeitsbedingungen für Apotheker zu verbessern.

Seit fünf Jahren ist der rechtliche Rahmen für Rückforderungsansprüche bei Nullzuschlägen weitgehend unverändert geblieben. Die Krankenkassen finden weiterhin neue Gründe, Erstattungen zu verlangen, was die bestehenden Regelungen wirkungslos macht. Apotheken sehen sich täglich mit Streitfällen konfrontiert, die häufig in Widersprüche und Gerichtsverfahren münden. Ein besonders hartnäckiges Problem ist die Übermittlung von Chargennummern bei Blister-Verpackungen – hier fehlt eine klare Möglichkeit, diese Daten bei der Abrechnung von E-Rezepten anzugeben.

Der BVVA kritisiert, dass die aktuellen Beschränkungen bei Nullzuschlags-Rückforderungen nicht ausreichen. Statt punktueller Korrekturen fordert der Verband umfassendere Reformen. Einer der Vorschläge sieht vor, die Erhebung von Zuzahlungen von den Apotheken auf die Krankenkassen zu verlagern. Dies würde den Verwaltungsaufwand verringern und Fehlerquellen minimieren, so die Argumentation.

Um jüngere Apotheker anzuziehen, schlägt der BVVA die Einführung einer "Apotheken-GmbH" vor. Dieses Modell würde es Teilzeitkräften ermöglichen, Führungsaufgaben zu übernehmen und mehr Einfluss auf den Betrieb zu nehmen. Zudem fordert der Verband eine bessere Koordination in der pharmazeutischen Versorgung, insbesondere für Patienten in häuslicher Pflege, ambulantem Pflegedienst oder palliativer Betreuung.

Ein weiterer zentraler Vorschlag ist die Einführung bundesweit einheitlicher Preise für Hilfsmittel, die von Apotheken abgegeben werden. Der BVVA strebt Verhandlungen zwischen dem GKV-Spitzenverband (dem Dachverband der gesetzlichen Krankenkassen) und der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (DAV) an, um feste Sätze festzulegen – mit dem Ziel, die Abrechnung zu vereinfachen und Konflikte zu reduzieren.

Ohne neue Gerichtsurteile oder gesetzgeberische Maßnahmen bleiben Apotheken in einem Kreislauf aus rechtlicher Unsicherheit gefangen. Die Vorschläge des BVVA – von der Verlagerung der Zuzahlungspflicht bis hin zu standardisierten Preisen – zielen auf langjährige Ineffizienzen ab. Würden sie umgesetzt, könnten sie die bürokratische Belastung verringern und die Arbeitsbedingungen für Apotheker im ganzen Land verbessern.