Berlins Ausbildungsabgabe spaltet Gründerszene und belastet wachsende Startups
Marie SchneiderBerlins Ausbildungsabgabe spaltet Gründerszene und belastet wachsende Startups
Berlins neue Ausbildungsabgabe sorgt für Frust bei Startups und Gründern
Die neu beschlossene Abgabe, die vom Abgeordnetenhaus verabschiedet wurde, zwingt Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten, in einen Fonds einzuzahlen, wenn sie nicht genug Ausbildungsplätze anbieten. Kritiker bemängeln, dass die Maßnahme das Problem der Jugendarbeitslosigkeit verfehlt und gleichzeitig wachsende Betriebe belastet.
Das Gesetz, das 2028 in Kraft treten soll, richtet sich an Firmen mit zehn oder mehr Mitarbeitern, deren Ausbildungsquote unter 4,6 Prozent liegt. Derzeit erfüllen etwa 25 Prozent der Berliner Unternehmen diese Vorgabe – Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten sind ausgenommen. Die Ausbildungsquote der Stadt liegt ohnehin unter dem Bundesschnitt: Während der nationale Durchschnitt bei 4,6 Prozent liegt, beträgt sie in Berlin nur 3,1 Prozent. Mit der Abgabe sollen jährlich rund 75 Millionen Euro eingenommen werden, indem Unternehmen bestraft werden, die zu wenige Ausbildungsplätze bereitstellen.
Die Reaktion der Gründerszene fällt scharf aus. Ralph Hage von Lap Coffee nennt die Regelung ein "weiteres falsches Signal" aus Berlin und betont, sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf klassische Ausbildung. Marius Meiners von Peec AI geht noch weiter: Für sein Unternehmen sei die Einstellung von Azubis schlicht unpraktikabel – er ziehe es vor, die Strafe zu zahlen. Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, kritisiert die Abgabe als ungerecht: Startups wie seines würden für das Nichtanbieten "überflüssiger" Ausbildungsprogramme bestraft.
Andere sehen das Problem tiefer verliegend. Agnieszka Walorska von der Fintech-Firma Mika argumentiert, es liege nicht am mangelnden Willen der Unternehmen, sondern am sinkenden Interesse junger Menschen an traditionellen Berufsausbildungen. Eine Zwangsabgabe löse diese grundlegende Herausforderung nicht.
Betroffen von der Regelung ist etwa ein Viertel der Berliner Unternehmen – die kleinsten Betriebe ausgenommen. Sie müssen entweder ihr Ausbildungsangebot ausbauen oder finanziell in den Fonds einzahlen. Mit dem Inkrafttreten 2028 steht die Wirtschaft nun vor der Wahl: Die Ausbildungsmodelle anpassen oder die Kosten der Nicht-Einhaltung tragen.






