BP verkauft Gelsenkirchener Raffinerie und kämpft mit steigenden Ölpreisen und Arbeitskonflikten
Marie SchneiderBP verkauft Gelsenkirchener Raffinerie und kämpft mit steigenden Ölpreisen und Arbeitskonflikten
BP treibt seine große Umstrukturierung voran, während die Ölpreise steigen und die Belastungen in den Lieferketten zunehmen. Das Unternehmen hat einen Desinvestitionsplan im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar angekündigt, der auch den Verkauf der Raffinerie in Gelsenkirchen umfasst. Gleichzeitig verschärfen steigende Rohölkosten und Arbeitskonflikte die Herausforderungen für den Energieriesen.
BP hat sich mit der Klesch Group auf den Verkauf der Gelsenkirchen-Raffinerie geeinigt; der Abschluss des Geschäfts wird für Ende 2026 erwartet. Die Anlage, die jährlich 12 Millionen Tonnen Öl verarbeitet, beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter, die zum neuen Eigentümer wechseln werden. Analysten zufolge könnte der Verkauf die Verbindlichkeiten von BP um bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar verringern und so die finanzielle Belastung mindern.
Die HSBC reagierte darauf, indem sie die Aktienbewertung von BP von "Reduzieren" auf "Halten" hochstufte und das Kursziel von 35,10 auf 45,30 US-Dollar anhob. Die Bank nannte den Raffinerieverkauf als entscheidenden Faktor für die Verbesserung der finanziellen Aussichten des Unternehmens.
In den USA sperrte BP rund 800 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter der Whiting-Raffinerie in Indiana aus, nachdem die Tarifverhandlungen gescheitert waren. Die Unternehmensführung betont, dass es keine größeren Produktionsausfälle geben werde. Der Schritt folgt auf branchenweite Spannungen, während die Ölpreise in die Höhe schnellen.
Die Nordsee-Ölsorte Brent hat mittlerweile etwa 112 US-Dollar pro Barrel erreicht, bedingt durch Blockaden in der Straße von Hormus, wo nahezu 20 % der globalen Öl- und Flüssiggastransporte (LNG) zum Stillstand gekommen sind. Um die Lieferketten zu entlasten, erteilte die US-Regierung eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act, die es ausländischen Schiffen erlaubt, Waren zwischen US-Häfen zu transportieren.
BP hat zudem sein Sparziel für 2027 auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar erhöht – etwa 30 % der Ausgaben von 2023. Das Unternehmen strebt an, seine Bilanz zu stärken und die zukünftigen Cashflows angesichts der Marktvolatilität abzusichern. Seit 2020 ist der Marktwert von BP von rund 100 Milliarden auf 80 bis 90 Milliarden US-Dollar gesunken, beeinflusst durch schwankende Ölpreise, den Wandel zu erneuerbaren Energien und strengere Regulierungen für fossile Brennstoffe.
Der Verkauf der Gelsenkirchen-Raffinerie und die ausgeweiteten Kostensenkungsmaßnahmen sind zentrale Elemente von BPs Strategie zur finanziellen Erholung. Angesichts anhaltend hoher Ölpreise und geopolitischer Risiken werden die Desinvestitionen und operativen Anpassungen des Unternehmens seine Performance in den kommenden Jahren prägen. Die US-Ausnahmegenehmigung und die anhaltenden Arbeitskonflikte erhöhen zusätzlich die Komplexität der Aussichten für den Energiesektor.






