Deutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Lotta SchulteDeutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Die deutsche Industrie im Wandel – doch die Angst vor Deindustrialisierung ist übertrieben
Drei aktuelle Studien des ifo Instituts, des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bertelsmann Stiftung zeichnen ein differenziertes Bild: Während einige Branchen boomen, kämpfen andere um ihr Überleben. Forscher fordern nun eine Politik, die Innovation fördert – statt veraltete Strukturen zu konservieren.
Ein tiefgreifender Strukturwandel prägt die deutsche Industrielandschaft. Mehr als 76 Prozent der Produktionsleistung im verarbeitenden Gewerbe entfallen mittlerweile auf Branchen, deren Nachfrage in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Selbst traditionelle Sektoren wie die Metallverarbeitung oder die Chemieindustrie verzeichnen wachsende Segmente, die zunehmend die Unternehmensportfolios dominieren.
Die Automobilbranche als Sorgenkind Eine Ausnahme bildet die Autoindustrie. Die Exporte nach China sind seit 2020 um die Hälfte eingebrochen – allein 30 Prozent des Rückgangs gehen auf den harten Wettbewerb durch chinesische Elektroautos, schwache Nachfrage und geopolitische Spannungen zurück. Lokale Produktionsvorschriften, Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie anhaltende Lieferkettenprobleme belasten die deutschen Hersteller noch bis 2026.
Experten schlagen ein neues Modell vor: die Entwicklung von Produkten im Inland bei gleichzeitiger Auslagerung der Fertigung ins Ausland, gestützt durch stärkere Kapitalmärkte, Steueranreize und flexiblere Regulierung. Die Studien zeigen, dass sich die meisten Unternehmen bereits auf wachstumsstarke Produkte konzentrieren – die Automobilbranche jedoch noch im Umbruch steckt.
Keine flächendeckende Deindustrialisierung – aber Handlungsdruck für die Politik Die Ergebnisse widerlegen die These einer breiten Deindustrialisierung Deutschlands. Während Branchen wie die Autoindustrie vor großen Herausforderungen stehen, expandieren andere. Die Politik steht nun vor der Aufgabe, Rahmenbedingungen anzupassen – von Steuern über Regulierung bis hin zu Marktbedingungen –, um Innovation zu stärken statt veraltete Industriestrukturen zu bewahren.






