Digitalisierung in Deutschland scheitert an Geldverschwendung und Microsoft-Abhängigkeit
Emma GüntherDigitalisierung in Deutschland scheitert an Geldverschwendung und Microsoft-Abhängigkeit
Deutschlands Digitalisierung stößt auf ein großes Hindernis: nachhaltige Finanzierung
Eine neue Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt: Zwar stehen Mittel zur Verfügung, doch werden sie nicht effizient eingesetzt. Die starke Abhängigkeit von US-Technologieanbietern – allen voran Microsoft – verschärft zudem die Bedenken hinsichtlich digitaler Souveränität und langfristiger Planung.
Allein im vergangenen Jahr gab die Bundesregierung und ihre nachgeordneten Behörden 481,4 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen aus. Trotz wiederholter Forderungen nach größerer digitaler Unabhängigkeit bleibt die öffentliche Verwaltung weiterhin stark von amerikanischen Tech-Konzernen abhängig. Zwar hat die EU strengere Regularien für die Branchenriesen eingeführt, doch deren Umsetzung ist lückenhaft. Die USA wiederum drohen mit Zöllen gegen Länder, die ihren Unternehmen Beschränkungen auferlegen.
Die Studie deckt ein weiteres Problem auf: zerplitterte Finanzierungsstrukturen. Gelder für Digitalprojekte stammen aus verschiedenen Ministerien und Sonderfonds wie dem Klimaschutz- und Transformationsfonds (KTF) oder dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK). Fast 20 Prozent der Mittel für die digitale Transformation speisen sich aus diesen temporären Quellen – ein fragwürdiges Fundament für stabile Langzeitfinanzierung.
Die Forscher fordern, Doppelinvestitionen zu vermeiden und stattdessen auf Open-Source-Lösungen europäischer Anbieter zu setzen. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und des Drucks, die Abhängigkeit von den Tech-Giganten zu verringern, wird die Dringlichkeit immer größer. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat sich zu den Studienergebnissen jedoch bisher nicht geäußert.
Die Digitalisierungsziele der Regierung umfassen unter anderem das Gesundheitswesen, die Verwaltungsmodernisierung und den Ausbau des Glasfasernetzes. Doch ohne bessere Koordination und nachhaltige Finanzierung drohen diese Pläne ins Stocken zu geraten.
Die ZEW-Studie benennt zwei zentrale Herausforderungen: die ineffiziente Nutzung vorhandener Mittel und die übermäßige Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern. Da fast ein Fünftel der Digitalisierungsgelder an kurzfristige Finanzquellen gebunden ist, bleibt der langfristige Erfolg ungewiss. Ohne Reformen könnte Deutschlands digitale Transformation hinter den selbstgesteckten Zielen zurückbleiben.






