05 February 2026, 20:07

Gefängnisbau in Zwickau-Marienthal: Von 150 auf über 500 Millionen Euro und kein Ende in Sicht

Ein detaillierter Architekturplan eines Bauentwurfs auf Papier, der den Grundriss, Fenster, Türen und die Umgebung zeigt und mutmaßlich der Lageplan für die neue York State Penitentiary ist.

Landtagsdebatte über umstrittenes Haftprojekt in Zwickau - Gefängnisbau in Zwickau-Marienthal: Von 150 auf über 500 Millionen Euro und kein Ende in Sicht

Bau des Gefängnisses Zwickau-Marienthal: Jahre der Verzögerungen und explodierende Kosten

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der Bau des Gefängnisses Zwickau-Marienthal, ein Gemeinschaftsprojekt der Bundesländer Sachsen und Thüringen, leidet seit Jahren unter Verzögerungen und stark steigenden Kosten. Ursprünglich sollte die Justizvollzugsanstalt 2019 für 150 Millionen Euro fertiggestellt werden – mittlerweile wird mit Kosten von über 500 Millionen Euro gerechnet, und die Fertigstellung verzögert sich bis Anfang 2030. Sachsens Finanzminister Christian Piwarz (CDU) bezeichnete die Lage als "ein einziges Chaos", nachdem mehr als 250 Mängel aufgedeckt wurden.

Im Frühjahr 2024 kamen die Bauarbeiten auf der Baustelle vollständig zum Erliegen. Zwar waren zu diesem Zeitpunkt die Rohbauarbeiten für sieben Hafttraktgebäude, Werkstätten, eine Turnhalle und zentrale Infrastruktur abgeschlossen – doch nicht ein einziger Zellentrakt war nutzbar. Bei Inspektionen wurden gravierende Mängel festgestellt: Risse im Beton, undichte Abdichtungen und mangelhafte Wärmedämmung.

Das Projekt wurde von einer Reihe externer Herausforderungen getroffen. Die COVID-19-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und globale Lieferkettenprobleme führten zu Verzögerungen. Steigende Energie- und Materialkosten trieben die Ausgaben weit über das ursprüngliche Budget hinaus. Sachsen hat inzwischen rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Generalunternehmer wegen der Baumängel eingeleitet.

Die politische Überprüfung nimmt zu: Die AfD reichte eine Kleine Anfrage im Landtag ein. Abgeordnete kritisierten jedoch, dass die Antwort der Regierung kaum neue Erkenntnisse brachte. Trotz des Debakels betont Minister Piwarz, das Gefängnis bleibe "ein Symbol der Zusammenarbeit und Verantwortung" zwischen den beiden Ländern.

Ein vom Gericht beauftragtes Gutachten soll bis Ende 2026 vorliegen. Falls es genehmigt wird, könnten die Aufträge für die nächste Bauphase im Frühjahr 2027 vergeben werden.

Die Fertigstellung des Gefängnisses hat sich um mehr als ein Jahrzehnt verzögert, die Kosten sind auf das Mehr als Dreifache gestiegen. Sachsens Klage gegen den Bauunternehmer und das anstehende Gutachten werden die nächsten Schritte bestimmen. Die Anlage, einst als Vorzeigeprojekt regionaler Kooperation geplant, gilt mittlerweile als eines der problematischsten öffentlichen Bauvorhaben Deutschlands.