Neue Momentanreserve soll Deutschlands Stromnetz stabiler machen
Deutschlands Stromnetz führt neues Werkzeug für stabile Stromflüsse ein
Das deutsche Stromnetz setzt ein neues Instrument ein, um die Stabilität der Stromversorgung zu gewährleisten: die sogenannte Momentanreserve. Sie dient dazu, plötzliche Ungleichgewichte in der Netzfrequenz auszugleichen. Das System nutzt schnell reagierende Ressourcen – Betreiber von Batteriespeichern können nun ungenutzte Kapazitäten ihrer Wechselrichter nutzen, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen.
Der Wandel begann am 22. Januar 2026, als Deutschland damit begann, die Momentanreserve über marktbasierte Auktionen zu beschaffen. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund des Rückgangs traditioneller synchrone Kraftwerke, wodurch das Netz anfälliger für schnelle Frequenzschwankungen wird. Die Momentanreserve wirkt wie ein sofortiger Puffer, der Zeit für weitere Stabilisierungsmaßnahmen nach einer Störung schafft.
Batteriespeichersysteme eignen sich besonders für diese Aufgabe – nicht wegen ihrer Energiespeicherkapazität, sondern wegen ihrer Fähigkeit, Leistung nahezu verzögerungsfrei aufnehmen oder abgeben zu können. Betreiber können bis zu 36.000 Euro pro Megawatt und Jahr verdienen, wobei die Vergütung an Festpreisverträge geknüpft ist, die je nach Produkt und Richtung variieren. Ein entscheidender Vorteil liegt darin, dass Wechselrichter kurzfristige Überlastungen bewältigen können und so ungenutzte Kapazitäten zu einer Einnahmequelle werden.
Die Verträge für die Momentanreserve können bis zu zehn Jahre laufen und bieten den Anbietern damit langfristige Planungssicherheit. In der Einführungsphase 2026/2027 werden sowohl eine Grund- als auch eine Premium-Variante des Dienstes in allen deutschen Regionen ausgeschrieben. Stand 24. Februar 2026 hatte jedoch noch kein Anbieter alle technischen Voraussetzungen erfüllt, um die Leistung vollständig erbringen zu können.
Die energetischen Anforderungen an die Momentanreserve sind überraschend gering, sodass selbst kleinere Batteriesysteme teilnehmen können. Entscheidend ist nicht die gespeicherte Energiemenge, sondern die Geschwindigkeit, mit der sie auf Netzsignale reagieren können.
Die Momentanreserve schafft für Batteriebetreiber eine neue Einnahmequelle und stärkt gleichzeitig die Netzstabilität. Das System ermöglicht schnelle Korrekturen bei Frequenzabweichungen und verringert so das Risiko größerer Störungen. Mit Vertragslaufzeiten von bis zu einem Jahrzehnt bietet es zudem ein vorhersehbares Einnahmenmodell in Deutschlands sich wandelndem Energiemarkt.






