Von 400 Exemplaren zur polarisierenden Medienmacht: 40 Jahre Junge Freiheit
Marie SchneiderVon 400 Exemplaren zur polarisierenden Medienmacht: 40 Jahre Junge Freiheit
Die Junge Freiheit startete 1986 als kleine konservative Zeitung mit einer Auflage von nur 400 Exemplaren. Gründer Dieter Stein wollte damit, was er als linksgerichtete Vorherrschaft in deutschen Medien und Universitäten wahrnahm, herausfordern. Im Laufe der Jahre wuchs die Publikation – doch mit ihr auch die Kontroversen um sie.
Die ersten Ausgaben der Jungen Freiheit transportierte Stein in einem Pappkarton auf seinem Fahrrad nach Hause. Die Mitwirkenden arbeiteten ehrenamtlich, und die Zeitung kämpfte um Aufmerksamkeit. Stein, der sich selbst als konservativ bezeichnet, lehnte den Begriff „Neue Rechte“ stets ab.
Bis 1993 hatte sich der Widerstand verschärft. Rund 2.000 Demonstranten zogen gegen die Zeitung auf die Straße, es folgten Angriffe – darunter ein Brandanschlag auf Steins Auto vor der Redaktion 1995. Auch die Druckerei und Fahrzeuge im Umfeld der Zeitung wurden zum Ziel. Noch vor dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin verlegte die Junge Freiheit ihren Sitz von Freiburg in die Hauptstadt.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachtete die Zeitung, was nicht nur die Redaktion, sondern auch Leser, Werbekunden und politische Verbündete betraf. Einige Abonnenten berichteten, sie fürchteten allein wegen des Lesens der Zeitung abgehört zu werden.
Zum 40-jährigen Jubiläum der Zeitung sah sich Stein mit Fragen zu Überwachung, Verbindungen zur AfD, familiären Bezügen zur Bundeswehr und hartnäckigen Gerüchten über Finanzierungsquellen konfrontiert.
Aus einem Nischenprojekt hat sich die Junge Freiheit zu einer polarisierenden Kraft im deutschen Medienland entwickelt. Ihre Geschichte ist geprägt von Protesten, Angriffen und staatlicher Beobachtung – und doch bleibt sie ihrem konservativen Kurs treu. Der Einfluss der Zeitung und die Debatten um sie prägen bis heute die Diskussionen in Deutschland.






